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Götz Spielmann.

Foto: APA/Hochmuth

Wien - Wichtigste Karriereschmiede für Serienautoren ist die österreichische Filmakademie. Am 1. Oktober übernimmt der Regisseur Götz Spielmann (Revanche) dort eine Professur. Um die Bestellung gab es im Berufungsverfahren gröbere Auseinandersetzungen, die die Vergabepraktiken der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien in einem ungünstigen Licht erscheinen ließen.

Dass den Lehrstuhl wieder ein Mann bekommen sollte, stieß dem Frauennetzwerk FC Gloria sauer auf. Es fürchtete noch vor der endgültigen Entscheidung der Auswahlkommission einen Akt der Diskriminierung. Frauenmangel in den oberen Etagen des Wissenschaftsbetriebs kennt auch die Filmakademie. Der Frauenanteil unter den Lehrenden betrug 2010 nur 27 Prozent. Alle Professuren sind männlich besetzt.

Feministische "Gschaftelhuberei"

Die Mitglieder des Vereins, darunter Filmschaffende wie Sabine Derflinger, Nina Kusturica und Katharina Mückstein, sahen die Regisseurin und Autorin Barbara Albert als gleich qualifiziert. Sinkt der Anteil unter 45 Prozent, sind gleich qualifizierte Frauen laut Universitätsgesetz vorzuziehen. Darauf wiesen die Netzwerkerinnen im Frühjahr im Brief an den Rektor Werner Hasitschka hin. Dieser sah in der Anfrage eine "gezielte Kampagne" und verwies auf Amtsverschwiegenheit im Verfahren. Hasitschka ortete "gesetzlich untersagte Indiskretionen" in der Kommission: Kandidaten würden öffentlich gehandelt, obwohl gesetzlich Stillschweigen verordnet ist.

Eine gepfefferte Antwort erhielten die Netzwerkerinnen von der Gleichstellungsbeauftragten Ulrike Sych: "Sehr höflich" ersuchte Sych, "im Namen aller karrierefähigen Frauen in Zukunft Ihre feministische ,Gschaftelhuberei‘ zu unterlassen." Alberts Berufung würde umgekehrt "eine Diskriminierung aufgrund des Geschlechts (in diesem Fall männlich) ergeben."

"Es war sehr knapp, trotzdem wurde für den Erstgereihten entschieden" , erklärt Vizerektorin Claudia Walkensteiner-Preschl auf Anfrage: "Den Ausschlag gaben letztlich die Studierenden. Sie präferierten Spielmann eindeutig." Das Vizerektorat gibt sie im Herbst an Sych ab. Die Filmakademie arbeite sehr daran, dass sich mehr Frauen bewerben, sagt Walkensteiner-Preschl. Ab Herbst wieder mit ausschließlich männlichen Professoren. (prie/DER STANDARD; Printausgabe, 31.8.2011)