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Renate Brauner begehrte niemals gegen ihren Förderer Michael Häupl auf und erlaubte sich keine gröberen Schnitzer in ihren Ressorts. Einige Genossen wollen sie trotzdem loswerden.

Foto: APA/Neubauer

Wien - Der erste öffentliche Auftritt des neuen Führungsteams der Wiener Linien erfolgte selbstverständlich im Beisein von Renate Brauner. Und diese lobte erst einmal ausgiebig das Wiener Öffi-Netz, bevor sie die beiden Neuen (Alexandra Reinagl und Eduard Winter) an der Spitze des städtischen Unternehmens vorstellte. Seit vier Jahren ist die rote Vizebürgermeisterin und Finanzstadträtin für Bus, Bim und U-Bahn zuständig und nimmt diese Agenden ausgesprochen ernst - schließlich reagieren die Wiener Öffi-Nutzer seit jeher empfindlich auf diverse Pannen im Nahverkehr.

Kein Wunder also, dass Brauner zwei Personen an die Spitze des ausgelagerten Betriebs hievt, denen sie vertraut: Sowohl zu Winter (der wie sie aus dem 5. Bezirk stammt) als auch zu Reinagl, (deren alter Job beim Verkehrsverbund Ost ein Mitarbeiter des Brauner-Büros übernehmen soll), hat sie einen guten Draht. Ein Umstand, der ihr nicht nur die Opposition, sondern auch Teile der eigenen Partei übel nehmen. Die neuen Wiener-Linien-Chefs seien "typische Brauner-Besetzungen" heißt es aus dem Rathaus. So wie bei vielen anderen Personalentscheidungen habe Brauner auch hier ihren Kopf durchgesetzt, ohne sich groß um die Meinung anderer zu kümmern.

Schieder als Nachfolger

Brauner galt lange Zeit als logische Nachfolgerin von Bürgermeister Michael Häupl. Innerparteilich hat sie in den letzten Monaten allerdings massiv an Unterstützung verloren. Gerüchte, die ewige Kronprinzessin könnte sich demnächst aus dem Rathaus verabschieden, werden ständig neu geschürt, vor allem von den Roten. Brauner dementiert, diese seien völlig an den Haaren herbei gezogen, lässt sie über ihren Sprecher ausrichten. Als neuestes Ausstiegsszenario gilt parteiintern ein Wechsel in die Wiener Arbeiterkammer. Dort könnte sie Präsident Herbert Tumpel beerben, heißt es.

Dass auch die "Krone" gegen Brauner Stimmung macht, schwächt sie zusätzlich. Zum einen soll es um die Vergabe von Inseraten an das Konkurrenzblatt "Österreich" gehen. Zum anderen habe der ehemalige "Heute"-Chef Richard Schmitt ein persönliches Problem mit Brauner - und lebe dies in seinem neuen Job bei der "Krone" aus.

Als möglicher Nachfolger von Brauner im Finanzressort gilt Finanzstaatssekretär Andreas Schieder. Häupl könnte ihn sogar als seinen Nachfolger aufbauen. Für Schieder müsste allerdings auch Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely Platz machen. Sie ist Schieders Lebensgefährtin - und ein Paar in der Stadtregierung geht selbst der roten Rathausfamilie zu weit. Wehsely könnte wieder zur Wiener Städtischen zurückkehren. Dort war sie bereits einige Jahre Personalchefin. Wem Häupl das Gesundheitsressort anvertrauen würde, ist offen. Der einzige Rote im Gesundheitsausschuss, der in der Partei Gewicht hat, ist Landesparteisekretär Christian Deutsch.

Neben ihrem harschen Vorgehen bei Personalentscheidungen nehmen viele Genossen Brauner die Kürzung des Wohnbaubudgets übel - vor allem jene, die zur Michael-Ludwig-Fraktion gehören und den Wohnbaustadtrat zum nächsten Wiener Bürgermeister machen wollen. Die Einsparungen in seinem Ressort habe die Finanzstadträtin mutwillig vorangetrieben um Ludwig zu schaden, vermuten einige. Brauner hat sich weder als Finanzstadträtin noch als Integrations- und Gesundheitsstadträtin gröbere Schnitzer erlaubt.

Zerrissene Partei

Dass sie jetzt trotzdem von Genossen angefeindet wird, sagt einiges über den Gesamtzustand der Wiener SP. Der Parteinachwuchs gibt der alten Garde die Schuld am Verlust der Absoluten. Der aufgestaute Ärger entlädt sich derzeit am Streit über das kleine Glücksspiel. "Dieses Thema droht die Partei zu zerreißen", sagt ein Insider. Beim letzten Landesparteitag hat eine Hand voll junger Roter eine Abstimmung gegen Glücksspielautomaten erzwungen. Seither diskutiert die Parteispitze, wie man aus dieser Kiste wieder rauskommt - schließlich würde ein Verbot des Glücksspiels massive Einnahmeeinbußen bedeuten. (fern, stem, stui, STANDARD-Printausgabe, 31.8.2011)