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Sotschi/San Francisco - Der US-Energieriese Exxon Mobil und die russische Rosneft haben ein milliardenschweres Abkommen zur gemeinsamen Erschließung neuer Öl- und Erdgasvorkommen in der russischen Arktis geschlossen. Damit erhält das US-Unternehmen Zugang zu einigen der letzten unerschlossenen Regionen der Welt und sticht den britischen Rivalen BP aus, dessen Kooperation mit Rosneft für dieselbe Region im Mai gescheitert war. "Es tun sich neue Horizonte auf", sagte Russlands Ministerpräsident Wladimir Putin am Dienstag bei der Vertragsunterzeichnung in Sotschi, an der auch Exxon-Chef Rex Tillerson teilnahm.

Das Abkommen hat ein Volumen von 3,2 Mrd. Dollar (2,22 Mrd. Euro) und sieht die Erschließung von Vorkommen in der Karasee - einem Teil der Arktis - sowie im Schwarzen Meer vor. Zugleich werden Rosneft Beteiligungen an Projekten von Exxon angeboten, darunter im Golf von Mexiko und Texas. Im Gegensatz zu der gescheiterten Allianz mit BP sieht die Vereinbarung keinen Aktientausch vor, was Experten zufolge angesichts der Größe von Exxon Mobil nicht nötig ist.

Politische Bedeutung

Damit erhält nun Exxon Mobil als weltgrößtes Energieunternehmen Zugang zu russischen Gas- und Ölvorkommen. Die Vereinbarung ist daher auch politisch von Bedeutung und gilt als Beleg für einen erfolgreichen Neustart der Beziehungen zwischen den USA und Russland. Vor wenigen Jahren noch wurden amerikanische Firmen mehr oder weniger ausgeschlossen, sagte Cliff Kupchan von Eurasian Practice bei der Eurasia Group. US-Präsident Barack Obama hat sich explizit zum Ziel gesetzt, die Beziehungen zu verbessern. Allerdings scheiterte zuletzt ein Rosneft-Abkommen mit dem US-Energiekonzern Chevron. Für BP dürfte die Hoffnung auf eine Wiederbelebung der geplatzten Verhandlungen über einen Einstieg in der russischen Arktis nun endgültig gestorben sein.

Rosneft wird der Vereinbarung zufolge 66,7 Prozent an dem Gemeinschaftsunternehmen halten, Exxon den Rest. Exxon teilte mit, die Reserven zählten zu den vielversprechendsten und am wenigsten entdeckten auf offener See weltweit. Analysten werteten das Abkommen als fair. "Es ist ein gerechtes Geschäft", sagte Brian Youngberg von Edward Jones in St. Louis.

Nach Angaben von Rosneft umfassen die Fördermöglichkeiten in der Karasee nördlich von Sibirien schätzungsweise 36 Milliarden Barrel Öl. Insgesamt werden dort Schätze im Volumen von 110 Milliarden Barrel an Öläquivalenten vermutet. Das wäre mehr als das Vierfache der nachweislichen Reserven von Exxon weltweit. Die Vorkommen im Schwarzen Meer werden auf neun Milliarden Barrel Öl geschätzt. Die ersten Bohrungen sollen 2015 beginnen. Exxon wird dabei den Großteil der Kosten tragen.

Hausdurchsuchungen bei unterlegenem Wettbewerber BP

Die russische Justiz hat am Mittwoch die Büros des britischen Ölkonzerns BP in Moskau durchsuchen lassen. Es gehe darum, Dokumente für ein Gerichtsverfahren gegen das Unternehmen in Sibirien sicherzustellen, teilte die Justiz laut der russischen Nachrichtenagentur RIA Nowosti mit. Im sibirischen Tjumen verhandelt ein Schiedsgericht ab Mitte Oktober über die geplatzte Zusammenarbeit zwischen BP und dem russischen Ölriesen Rosneft bei der Erkundung von Ölvorkommen in der Arktis. Für dieses Vorhaben wählte Rosneft inzwischen den US-Konzern ExxonMobil als Partner, wie Regierungschef Wladimir Putin am Dienstag mitgeteilt hatte. (APA/Reuters)