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Die Chefs der FMA, Kurt Pribil (re.) und Helmut Ettl, sehen trotz Basel III keine Kreditklemme dräuen. Vor Fremdwährungs- krediten warnen sie ebenso wie die Notenbank.

Foto: Reuters/Heinz-Peter Bader

Die baldige Einführung von Basel III enerviert die Banken. Nun hat aber die Nationalbank errechnet, dass der Mehrbedarf an Kapital geringer ausfallen wird als erwartet. Die Zahl der Fremdwährungskredite geht zurück.

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Wien - Während sich Österreichs Banker wie jedes Jahr um diese Zeit in Alpbach versammeln, bleibt ihre Aufsichtsbehörde FMA heuer daheim in Wien. Die Einladung sei "zu spät" gekommen, man habe "keine Zeit für Sommerfrische", lautet die verschnupfte Begründung in der FMA. Ihre Chefs, Helmut Ettl und Kurt Pribil, hatten stattdessen für Dienstagabend zum Hintergrundgespräch in Wien geladen, gemeinsam mit Notenbankdirektor Andreas Ittner.

Hauptthema: der Banken-Blockbuster Basel III, an dessen Implementierung noch gearbeitet wird. Laut neuesten Berechnungen der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) ist der Mehrbedarf an Kapital, der aus dem Regelwerk für Österreichs Banken entsteht, geringer als erwartet.

Demnach müssen bis 2022 "nur" elf bis 14 Mrd. Euro mehr aufgebracht werden; zuletzt war die OeNB von einem Mehrbedarf von 15 bis 18 Mrd. Euro ausgegangen. Der zusätzliche Kapitalbedarf werde das Bankensystem "nicht in Schwierigkeiten bringen", zeigte sich Ittner überzeugt.

Aufgeschlüsselt sieht die Kapitalbedarfsrechnung so aus: sieben Mrd. Euro für "hartes Kernkapital" (Common Equity Tier 1), vier Mrd. für Kernkapital (Tier 1) und maximal drei Mrd. Euro für Ergänzungskapital (Tier 2). Im harten Kernkapital sind bereits die sechs Mrd. Euro staatliches und privates Partizipationskapital aus dem Bankenpaket enthalten.

Einmal mehr haben die Bankenaufseher vor Fremdwährungskrediten gewarnt. Der starke Schweizer Franken hat bei den Frankenkrediten Privater in Österreich bisher zu Buchverlusten von rund zehn Mrd. Euro geführt (schlagend werden die aber derzeit nicht, weil es sich um endfällige Kredite handelt). Insgesamt hat sich die Zahl der Fremdwährungskredite in Österreich von 270.000 auf 210.000 aber reduziert.

In den mittel- und osteuropäischen Ländern geht es vor allem um Ratenkredite, die in Fremdwährungen aufgenommen wurden. Allerdings umfassen sie nur 8,6 Prozent des gesamten Kreditvolumens gegenüber der Region.

In Summe hatten Österreichs Finanzinstitute laut den Aufsehern zuletzt ein Fremdwährungskredit-Exposure von 176,9 Mrd. Euro. (gra, APA, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1.9.2011)