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Herwig Wetzlinger wird auch als neuer stellvertretender AKH-Direktor viel Druck aushalten müssen. In Kärnten hat er Durchhaltevermögen bewiesen.

Foto: APA/Eggenberger

Wien/Klagenfurt - Im Spitalsbereich gibt es wenig, was Herwig Wetzlinger (50) nicht schon erlebt hätte. In Kärnten war der Krankenhausmanger politischen Angriffen ausgesetzt gewesen - in Wien soll er ab heute, Donnerstag, als stellvertretender Direktor des AKH an mit zweifelhaften Praktiken aufräumen.

Der frühere, von der blau-schwarzen Kärntner Koalition weggemobbte "Vater" des neuen Klinikums Klagenfurt wurde AKH-Direktor Reinhard Krepler zur Seite gestellt. Wetzlinger ist für Wirtschaft, Technik und Finanzen zuständig. Er hatte sich in einem Auswahlverfahren gegen 36 Mitbewerber durchgesetzt. Sein Vertrag läuft fünf Jahre.

Korruptionsvorwürfe

Der Grund, warum der Job eines stellvertretenden Direktors geschaffen wurde, liegt nicht zuletzt an den Korruptionsvorwürfen gegen Österreichs größtes Krankenhaus: So ermittelt die Korruptionsstaatsanwaltschaft wegen "geschobener" Auftragsvergaben an eine Reinigungsfirma im Ausmaß von rund 50 Millionen Euro wegen Amtsmissbrauchs gegen hohe AKH-Beamte. Sieben Personen wurden auch in der sogenannten Zivildiener-Affäre angeklagt.

Dass er in Wien erneut unter politischen Druck geraten könnte, schließt Wetzlinger im Gespräch mit dem STANDARD aus. "Die Politik als Spitalseigentümer macht die strategischen Vorgaben, aber ich habe im AKH nicht den Eindruck, dass man ins operative Geschäft direkt eingreift". Genau das hatte Wetzlinger in Kärnten bis zur Genüge erlebt. Dort hatte sich die blau-schwarze Koalition über ein neues Gesetz die operative Entscheidungshoheit über das Spitalswesen (Krankenanstalten-Betriebsgesellschaft-Kabeg) zurückgeholt. Vor allem Kabeg-Aufsichtsratschef Kurt Scheuch, Bruder des wegen Korruption erstinstanzlich verurteilten FPK-Chefs Uwe Scheuch, blies mit Verweis auf ein Expertenkomitee sofort zum Halali auf das Klinikum-Direktorium.

Blick zurück ohne Zorn

Nach heftigen blauen Attacken, im Zuge derer Wetzlinger schwere Verfehlungen und ein angebliches Finanzfiasko beim Neubau des Klinikums vorgeworfen wurden, musste der verdiente Spitalsmanager seinen Direktorenjob im räumen. Nicht zum ersten Mal und obwohl der Rechnungshof keinerlei Anzeichen von Malversationen feststellen konnte. An diese Zeit, die auch von schweren persönlichen Untergriffen geprägt war, denkt Wetzlinger dennoch nicht im Zorn zurück: "Ich bin stolz, dass ich in Kärnten das Jahrhundertprojekt Klinikum neu umsetzen durfte." Er habe immer einen "transparenten Weg" verfolgt, "deshalb habe ich alles aufrechten Ganges überstanden", sagt er. Das Durchhaltevermögen verdankt Wetzlinger wohl auch seiner Zeit als Rettungsschwimmer. Keiner seiner Co-Direktoren ist heute mehr im Klinikum tätig.

Geholt worden war Wetzlinger 2000 vom damaligen Kabeg-Vorstand Franz Sonnberger, zwei Jahre später avancierte der EDV-Spezialist mit Wirtschaftsausbildung im Schweizer Sankt Gallen zum kaufmännischen Direktor des früheren Landeskrankenhauses Klagenfurt - mit der Mammutaufgabe: Neubau des Klinikums.

Seine Wochenenden will der neue Wetzlinger aber nach wie vor in Kärnten verbringen. Denn als Ausgleich zum stressigen Job will er seine Familie und seine Freunde auch weiterhin daheim in Klagenfurt bekochen. (Elisabeth Steiner/DER STANDARD-Printausgabe, 1.9.2011)