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Léo Apotheker

Foto: AP

Fast ein Jahrzehnt lang hat Hewlett-Packard daran gewerkt, der größte PC-Hersteller der Welt zu werden. Fusionierte mit Compaq, plagte sich ein paar Jahre lang mit den Folgen der Übernahme, schaffte es letztlich, die PC-Sparte wieder profitabel zu gestalten, an den Börsen wieder zu punkten.

Klotz am Bein

Dann stolperte der erfolgreiche Sanierer Mark Hurd über eine amouröse Spesenabrechnung (bei der es vermutlich nicht einmal zu Amore kam). Auftritt Léo Apotheker, der bei SAP unfreiwillig zurückgetretene Kurzzeit-Chef, der in seiner beruflichen Laufbahn bisher alles mit Unternehmenssoftware, aber nichts mit PCs, Handys oder Tablets zu tun hatte. Weil für einen Mann mit einem Hammer jedes Problem wie ein Nagel aussieht, sieht Apotheker bei Hewlett-Packard die größte Sparte - PCs, Handys und Tablets - nur als Klotz am Bein. Software und Services, was der Chef von SAP gut kennt, sei die Zukunft.

99 Dollar

Also beendet Apotheker mit einem Strich den Milliarden-Ausflug mit WebOS ins Handy- und Tabletgeschäft, verramscht 400.000 TouchPads für 99 statt 499 Dollar und kündigt den Abschied vom PC an. Hatte nicht schon Steve Jobs von der Post-PC-Ära gesprochen? Der Preis für solche Visionen: HP verlor an einem einzigen Tag ein Fünftel seines Wertes und ist wieder dort, wo Hurd begonnen hat.

Solch harsche Reaktion kann selbst einem Revoluzzer an der Konzernspitze nicht ganz gleichgültig sein, also begann vor kurzem das Manöver: War alles nicht ganz so gemeint. Ein "Spinoff", nicht ein Verkauf, sei die wahrscheinlich beste Lösung für Aktionäre, Kunden und Mitarbeiter heißt es jetzt in einer "internen Studie".

Aus der Zeitung erfahren

Weit weg vom Hauptquartier in Palo Alto, von einer Konferenz in Peking, kommt auch der Dissens von der Konzernspitze. Todd Bradley, der die PC-Sparte von HP als deren Chef in den vergangenen Jahren wieder profitabel gemacht hat, will gleichfalls von einem Verkauf nichts wissen. Kein Wunder, denn wie erst später bekannt wurde, hat der eigene PC-Chef von der neuen Ausrichtung des Unternehmens für die Post-PC-Ära auch erst aus der Zeitung erfahren.

Tatsächlich sind die Zeiten für PC-Hersteller schwierig geworden: Smartphones und Tablets stehlen ihnen die Show und Wachstum. Microsoft und Intel kassieren den Großteil der Gewinne, während für Hersteller wie Hewlett-Packard nur schmale Margen bleiben.

Apple

Die HP-Strategie, vor Apotheker, war logisch: Mach es wie Apple - entwickle Geräte mit Mehrwert, investiere in ein eigenes Betriebssystem, statt anderen fette Lizenzen zu zahlen. Das hätte das jetzt ins Abseits gestellte WebOS leisten sollen. Apotheker hat diesen Weg versperrt, und das selbst dann, wenn die PC-Sparte ein eigenes Unternehmen wird. Bis dahin ist viel Zeit verloren, sind die besten Leute von der Konkurrenz mit offenen Armen aufgenommen worden (wie Mark Hurd von Oracle, mit der sich HP matchen will). Und ist erst einmal die PC-Sparte weg, wird sich im Softwarekonzern auch die (gewinnbringende) Druckersparte schwer tun.

Sieht so aus, als ob für HP vor der Post-PC-Ära noch eine andere kommen könnte: die Post-Apotheker-Ära.(helmut.spudich@derStandard.at)