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Das Militär patrouilliert in der Stadt Jos, wo es immer wieder zu religiös motivierter Gewalt kommt. Die Regierung will die Sicherheitslage im Land verbessern.

Foto: Reuters/Sotunde

Präsident Jonathan gerät weiter unter Druck, die Sicherheit im Land zu gewährleisten.

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Jos - Zum zweiten Mal innerhalb einer Woche hat es in der zentralnigerianischen Stadt Jos blutige Zusammenstöße zwischen Muslimen und Christen gegeben, die etlichen Menschen das Leben gekostet haben. Mindestens 22 Muslime und 20 Christen seien in der Nacht auf Freitag getötet worden, als überwiegend Jugendliche der Religionsgruppen aufeinander losgingen, sagten Augenzeugen.

Zu der Gewalt war es nach Darstellung der muslimischen Seite gekommen, als einem Muslim mutmaßlich von Christen ein Motorrad gestohlen wurde. Die meisten Muslime seien getötet worden, als bewaffnete Soldaten eingriffen, berichteten Augenzeugen.

Von Seiten des Militärs hieß es, es sei noch unklar, was genau passiert sei, "außer dass unsere Soldaten beschossen und einige verletzt wurden" , wie ein Sprecher mitteilte. "Wir forderten Unterstützung an. Jetzt ist es ruhig."

Bereits am Montag war es zu Gewalt zwischen Muslimen und Christen gekommen. Dabei waren mindestens 13 Menschen ums Leben gekommen. Mehr als 100 Menschen trugen Verletzungen durch Pfeile, Macheten und Geschoße davon, wie Augenzeugen sagten. Demnach war eine Gruppe Muslime, die sich zum Ende des Fastenmonats Ramadan an einer Gebetsstätte versammelt hatte, von Bewohnern der von Christen dominierten Nachbarschaft umzingelt worden. Die Lage sei dann eskaliert.

Zwischen den Anhängern beider Religionen kommt es in Jos und Umgebung seit Jahren regelmäßig zu Gewalt und immer wieder zu zahlreichen Opfern. Die Gegend liegt zwischen dem hauptsächlich von Muslimen bewohnten Norden und dem von Christen dominierten Süden des westafrikanischen Landes. Allein im Jänner gab es rund 200 Tote.

Die jüngsten Ausschreitungen setzen die Regierung des bevölkerungsreichsten Landes Afrikas zusätzlich unter Druck. Präsident Goodluck Jonathan hatte nach dem verheerenden Anschlag auf ein UN-Gebäude mit 23 Toten erst am Dienstag angekündigt, die Sicherheitsmaßnahmen zu erhöhen und die Bevölkerung vor weiteren Anschlägen zu schützen.

Zwischen dem Anschlag in Abuja und der Gewalt in Jos besteht zwar offenbar kein unmittelbarer Zusammenhang. Doch sind in den vergangenen Monaten immer wieder Zweifel laut geworden, ob der vor allem bei den Muslimen ohnehin umstrittene Christ Jonathan Stabilität gewährleisten kann. (Reuters, APF, dpa/DER STANDARD, Printausgabe, 3.9.2011)