Europas Exporteure stehen zwar vor ganz schmerzlichen, aber auch ganz klaren Tatsachen: Der unaufhaltsame Anstieg des Euro verteuert ihre Exporte täglich und wirft sie im internationalen Wettbewerb damit täglich zurück. Spätestens jetzt, da die Gemeinschaftswährung auf einem Allzeithoch notiert und sich die Direktoren der Europäischen Zentralbank noch immer völlig unbesorgt geben, ist klar: Während in den USA sowohl Notenbank als auch Politik alles tun, um ihren Unternehmen eine möglichst geschützte Atmosphäre für eine Erholung zu schaffen (Zinssenkungen, Währungsabschwächung), stehen die europäischen Konzerne alleine da.

Da hat es auch nichts genutzt, dass Europas Staatschefs seit Monaten "Feuer!" in Richtung Frankfurt schreien. In Europa hilft die Zentralbank den Unternehmen nicht. Weder auf der Zinsen- noch auf der Währungsseite.

Dabei wären sie dieser Hilfe viel bedürftiger als ihre US-Konkurrenten: Im Gegensatz zu den US-Firmen haben nur die wenigsten europäischen Konzerne ein eigenes Treasury aufgebaut, das ihr Geldmanagement von der (Zentral-)Bankenpolitik etwas unabhängiger macht, indem es ihnen Absicherungen auf der Währungsseite ermöglicht. Banking ohne Banken hat in Europa keine Tradition - noch nicht.

Aber das wird sich jetzt, nachdem die Hoffnung auf eine nachhaltige Korrektur des Euro wohl zu Ende ist, sehr schnell ändern. Das Dach brennt zwar schon, trotzdem interessiert man sich erst jetzt für Versicherungen. Die Konzerne sehen, dass sie selbst handeln müssen, um mit dem starken Euro zurechtzukommen. Damit wird sich in Europa auch die Rolle der Kreditinstitute wandeln: Währungs- und in der Folge auch Kredit- und Schuldenmanagement werden nicht mehr ihr Oligopol bleiben. (DER STANDARD, Printausgabe 28.5.2003)