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ÖBB-Chef Kern glaubt, dass in Österreich kein Stein auf dem anderen bleibt.

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"Wendekanzler" Wolfgang Schüssel kostet die Affäre rund um die Telekom Austria sein Abgeordneten-Mandat.

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Wien - Der Telekom-Skandal rund um Kursmanipulationen und fragwürdige Beratergeschäfte wird die Art und Weise, wie in Österreich gewirtschaftet wird, verändern, glaubt ÖBB-Konzernchef Christian Kern. Die Affäre habe ein "Riesenerdbeben" ausgelöst, sagt er dem "Kurier".

Kern kritisiert auch die ehemalige Regierung unter Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (ÖVP). "Das war schon eine Zeit, in der man sehr locker mit dem Geld der Steuerzahler umgegangen ist. Da wurden moralische Standards nach unten durchbrochen." Telekom-Chef Hannes Ametsreiter habe jedenfalls sein "volles Mitgefühl".

Kritik übt Kern auch an der Justiz. "Leider gehen die Verfahren langsamer, als es wünschenswert wäre. Der Ressourcenmangel bei der Staatsanwaltschaft und dem Bundesamt für Korruptionsbekämpfung ist nicht zu übersehen. Diese Behörden besser auszustatten, ist ein Gebot der Stunde", betonte Kern.

ÖVP-Verkehrssprecher Martin Bartenstein ist empört über Kritik von Kern an der ehemaligen Regierung Schüssel. Nach Meinung von Bartenstein stehen dem Chef des größten heimischen Staatskonzern "politische Äußerungen und Kritik an moralischen Standards" nicht zu. "Kern sollte sich seiner Aufgabe als Chef der ÖBB voll annehmen, denn da gibt es genug zu tun", rät Bartenstein dem ÖBB-Chef.

Schüssels Rücktritt

Wolfgang Schüssel, unter dessen Amtszeit es zu den verdächtigen Telekom-Zahlungen an ÖVP-nahen Lobbyisten kam, hat heute sein Mandat im Nationalrat mit Ende der Woche zurücklegt (siehe dazu: Schüssel legt Mandat zurück). Was die kolportierten Zahlungen an Ex-Minister aus seiner Ära angeht, sieht Schüssel aber keine Verantwortung bei sich. Was ein Team-Mitglied nach seiner Amtszeit tut, habe jeder selbst zu verantworten, so Schüssel. Druck aus der Partei für seinen Rücktritt habe es "nie" gegeben, es handle sich um seine Entscheidung, betonte Schüssel.

Die Entscheidung sei ihm einerseits nicht leicht gefallen, weil er an der Partei hänge. Andererseits gehe er aber auch mit einem "leichten Herzen", denn er habe sein Amt "mit bestem Wissen und Gewissen" ausgeführt. An den Vorwürfen sei nichts dran. Er sei für vollinhaltliche Klarheit.

Streit um Sondersitzung

Unterdessen streiten sich FPÖ und Grüne weiter um einen gemeinsamen Antrag zur Sondersitzung des Nationalrats zur Telekom-Affäre. Die Blauen stören sich an der von den Grünen gewünschten Formulierung "schwarz-blauer Korruptionssumpf", da die heutige FPÖ mit der damaligen nichts mehr zu tun hätte.

Grüne wollen Beyrer-Jagdausflug prüfen 

Der Chef der staatlichen Industrieholding ÖIAG, Markus Beyrer, sieht wegen seiner Jagdreise auf Einladung der Telekom Austria keine Befangenheit bei der Aufklärung des Telekom-Skandals - im Gegensatz zu den Grünen. "Das wird Folgen haben", sagte Grün-Politiker Peter Pilz zur Tageszeitung "Österreich". "Die Rolle des Herrn Beyrer wird ein Fall für den kommenden U-Ausschuss." Das Beispiel zeige einmal mehr "die Verwahrlosung der politischen Sitten in der ÖVP". Rund um "diese Jagdgesellschaften" werde noch viel ans Licht kommen, meint Pilz. (APA/red)