Neun von zehn Österreichern greifen regelmäßig zu Bioware. Bei Gemüse ist der Exportanteil bei Konventionellem wie bei Bio hoch.

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Die Biobranche leidet unter wachsendem Preiskampf. Starke selbstständige Verarbeiter fehlen, der Markt wird von drei Handelsmarken dominiert. Experten sehen bei Importen Defizite bei der Kontrolle der Zertifikate.

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Wien - Der Markt für Bio gewinnt in Österreich weiter an Gewicht - der Konsum biologischer Lebensmittel ist in den vergangenen drei Jahren um zehn Prozent gestiegen. Bio stellt laut den Marktforschern Keyquest und Gfk mittlerweile einen Anteil von 6,6 Prozent bei Gemüse und Obst, Milchprodukten, Eiern, Fleisch wie Fertiggerichten. Neun von zehn Österreichern geben an, regelmäßig zu Bio zu greifen. Doch mit der steten Expansion wachsen auch die Probleme.

Der Biomarkt ist längst ein globaler. Starke Nachfrage unabhängig der Erntesaison treiben Importe an. Obst und Gemüse etwa werden rund zur Hälfte aus dem Ausland geordert. Konsumenten profitierten durch von größerer Wahlmöglichkeit, sagt Stephan Mikinovic. Der Chef der Agrarmarkt Austria Marketing sieht jedoch klare Defizite bei der Kontrolle der internationalen Zertifikate. In Ländern wie China, das zu einem der größten Spieler der weltweiten Bioindustrie aufsteigt, seien diese kaum zu überprüfen. All das in den Griff zu bekommen, Vertrauen bei Importen zu schaffen, lasse sich nur mit viel Aufwand erreichen. Zumal durch die Globalisierung der Kostendruck steige.

Was freilich für Bio arbeite, seien die Skandale der konventionellen Lebensmittelproduktion: Angesichts des Marktdrucks ließen sich diese auch künftig kaum vermeiden, glaubt Mikinovic. Da die Kontrolle in der Biobranche schärfer sei, treibe ihr das Kunden zu.

Rudolf Vierbauch, Obmann der Bio Austria, des Verbands der Biobauern, sorgt sich um die Abhängigkeit seiner Mitstreiter von ös- terreichischen Handelsketten. 80 Prozent des Biogeschäfts seien in Hand dreier Konzerne, die Bio so gut wie ausschließlich über Handelsmarken vertreiben. "Verarbeiter haben die Entwicklung des Marktes unterschätzt und es verabsäumt, eigene starke Marken zu schaffen", zieht er Bilanz und fordert mehr privatwirtschaftliche Strukturen: Es brauche gemeinsame Labels und Auftritte verarbeitender Betriebe im Ausland. Ansonsten drehe die Preisspirale weiter nach unten. Bio sei heute den selben Marktmechanismen ausgesetzt wie konventionelle Anbieter. Der Diskontanteil bei Bio beträgt Marktforschern zufolge bereits mehr als ein Drittel.

Biofleisch rar und teuer

Die Preisdifferenz zu herkömmlicher Ware beträgt im Schnitt sieben bis zehn Prozent. Biofleisch ist aufgrund der deutlich höheren Produktionskosten vielfach um 50 Prozent teurer. Nicht zuletzt auch deswegen, ist vor allem Schweinefleisch Mangelware im Bioregal.

Gut 1,1 Milliarden Euro und 7,4 Tonnen schwer ist der Biomarkt in Österreich, Brot nicht eingerechnet. 2000 Betriebe mit 23.000 Arbeitsplätzen leben von der Branche, sagt Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich. Auch er appelliert an ein Ende der "Geiz-ist-geil-Mentalität". Die Zahl an Biobauern nimmt laut Vierbauch weiter leicht zu, der Anteil an Landwirten im Vollerwerb ist höher als im konventionellen Anbau. (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6.9.2011)