Wien - Einwände gab es viele rund um die Einführung des seit gut einem Jahr geltenden neuen Insolvenzrechts. Mit A-Tec kam die erste große Nagelprobe für die unter der damaligen Justizministerin Claudia Bandion-Ortner beschlossenen Änderungen rascher als erhofft. Kernstück der Reform ist das Sanierungsverfahren in Eigenverantwortung, bei dem der Schuldner weiterhin die Zügel in der Hand hält.

Die nach Insolvenzeröffnung weiterhin dominante Rolle von Mehrheitsaktionär und Konzernchef Mirko Kovats gibt nun viel Anlass zur Kritik. Er konnte Entscheidungen über einen Verkauf wochenlang verschieben und soll nun als Strohmann für die nun an Bord gehende Contor-Gruppe fungieren, was der A-Tec-Gründer strikt zurückweist.

Im Unterschied zum alten Ausgleich liegt die Schwelle zur Befriedigung der Gläubiger mit 30 Prozent deutlich unter der früheren Grenze von 40 Prozent, womit der Fortbestand für Betriebe realistischer wird. Rein rechtlich wurden auch die Weichen gestellt, dass die Firmenleitung nicht nach eigenem Gutdünken schalten und walten kann. "Wenn der Sanierungsverwalter durch Beschlüsse der Organe eine Beeinträchtigung der Gläubigerinteressen befürchtet, kann er Einspruch gegen Entscheidungen erheben", erläutert Hubertus Schumacher, Rechtsprofessor an der Universität Innsbruck. Das Unternehmen müsse dann die Handlung unterlassen. Ob A-Tec-Sanierungsverwalter Matthias Schmidt Einwände hat, wollte er nicht preisgeben.

Positiv an den Änderungen wird bemerkt, dass die Hemmschwelle für rechtzeitige Insolvenzanträge gesunken sei. Das äußert sich in einem Rückgang der mangels Masse abgewiesenen Insolvenzen, bei denen nicht einmal die Verfahrenskosten gedeckt sind. Im ersten Halbjahr wurde bei jeder fünften der gut 3000 Unternehmenspleiten ein Sanierungsverfahren angemeldet. Auf Basis eines Restrukturierungsplans und unter Schutz vor Zugriff der Gläubiger sollen die bedrohten Firmen genesen. (as, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6.9.2011)