Wichtiges Bindeglied in einer gut vernetzten Gruppe junger Improvisierender: Martin Eberle.

Foto: Martin Eberle

Wien/Bludenz - Manchmal muss ein Musikheiliger vom Sockel gestoßen werden. Frank Zappa, seit seinem frühen Abgang anno 1993 von der Aura päpstlicher Unfehlbarkeit umweht, konnte manchmal auch daneben liegen. Sortieren wir seinen längst Gähnreflexe auslösenden Sager vom Jazz, der angeblich zwar nicht tot sei, aber halt schon eigenartig rieche, doch endlich aus und lassen wir ihn Geschichte sein. Denn: Hätte sich der alte Rock-Zyniker etwa träumen lassen, dass man sich nur mittels Stimme, Trompete und Gitarre auf abenteuerliche Klangreisen begeben könnte, in deren irrwitzigem, von holpstolpernd groovenden wie meditativ entrückten Höhepunkten geprägtem Verlauf mitunter die Kinnlade runterkippt?

Musik, wie sie auf der brandneuen CD Please don't feed the model von Peter Rom, Andreas Schaerer und Martin Eberle zu hören ist: Selbige wird am Sonntag zum Abschluss des zweiten Vienna-Roomservice-Festivals der JazzWerkstatt Wien präsentiert. Das Porgy & Bess wird dafür erneut in eine "Surround-Soundarena" verwandelt, das Publikum mittels eines Mehrkanal-Lautsprechersystems "quasi mitten ins Klanggeschehen geholt" . Die fünf Werkstattmeister (Clemens Wenger, Peter Rom, Clemens Salesny, Bernd Satzinger, Daniel Riegler) treten in wechselnden Bands auf bzw. lassen auftreten: Etwa das neue, klanggewaltige Trio Cairo um Wolfgang Mitterer oder das Ensemble Slow Tropes mit Patrick Pulsinger, Franz Hautzinger und Werner Dafeldecker.

Rom/Schaerer/Eberle stehen zudem gleichsam prototypisch für die gute Vernetzung junger Improvisierender: Führt das Trio doch einen Wiener (Rom) mit je einem Vertreter der JazzWerkstatt Bern (Schaerer) und des Jazzorchesters Vorarlberg (Eberle) zusammen. Insbesondere Letzterer, Trompeter Martin Eberle, gilt als wichtiges Bindeglied. Zeitgleich zum Wiener Festival begeht er in der alten Heimat den fünften Geburtstag des von ihm mitbegründeten Orchesters.

Im Rahmenprogramm warten u. a. Peter Madsen und Herbert Walser-Breuß sowie die famosen - wiederum mit Martin Eberle besetzten - Musikschrott-Rezyklierer von Kompost3. Da würde selbst Zappa seine Ohren spitzen! (Andreas Felber, DER STANDARD - Printausgabe, 6. September 2011)