Kein Verständnis für journalistische Cosa-Nostra-Assoziationen: Ex-VP-Klubchef Khol.

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Unter dem Titel "Ehrenwerte Gesellschaft" versucht Michael Völker (derStandard.at vom 3.9. 2011), das angebliche System Schüssel anhand des Telekom-Skandals zu entlarven. Sein Kommentar beginnt mit dem Satz: "Wolfgang Schüssel ist ein ehrenwerter Mann. Das sagt Andreas Khol." Sagte er aber in seinem Kurier-Interview eben nicht, sondern: "Wolfgang Schüssel war und ist ein Ehrenmann. Er hat von diesen Dingen absolut keine Kenntnis - und hätte sie verhindert. Er ist ein bescheidener, gesetzestreuer Mann."

Der Unterschied ist wichtig, denn am Begriff "ehrenwert" hängt Völker seinen ganzen Kommentar auf: am Mafia-Ausdruck der ehrenwerten Gesellschaft knüpft er an. Er unterstellt mir zwar nicht, ich hätte Wolfgang Schüssel in die Nähe der Mafia gerückt. Aber nach einer Aufzählung einer Reihe von unbewiesenen Behauptungen und seinen persönlichen Meinungen tut er das dann selber, wenn er seinen Kommentar mit dem Satz schließt: "Man könnte sagen, Wolfgang Schüssel ist ein ehrenwerter Mann."

Eine zweite Unkorrektheit - oder ist es blanke Unwissenheit - Völkers muss ich rügen, wenn er meint, ich sei ein schlechter Zeuge für Wolfgang Schüssel: "Er war damals als ÖVP-Klubobmann mit dabei, ein Bewunderer von Karl-Heinz Grasser, auch wenn er diesen später, offensichtlich schon in böser Ahnung, als ÖVP-Chef verhindert hat." Doppelt falsch: Ich habe Grasser als ÖVP-Vizekanzler in der Regierung Gusenbauer verhindert. Also Vizekanzler, nicht Parteiobmann! Und nicht aus böser Ahnung, wie ich immer wieder gebetsmühlenartig auch im Standard klarstellen durfte. Ich hatte drei Gründe: Ich hielt die Trennung von Parteiobmann und Vizekanzler für eine Quelle von späteren Zwisten; ich war und bin der Meinung, der Spitzenmann der ÖVP in der Regierung muss die drei Grundpfeiler der Christlichen Soziallehre in einfachen Worten erklären können, Grasser kannte sie nicht einmal; und drittens: Die Nominierung Grassers hätte die ÖVP gespalten, in eine christlich-demokratische und eine neoliberale Partei. Wenn Michael Völker ein angebliches System beweisen wollte, so ist er mit einer Unterstellung und gleich zwei Unrichtigkeiten gescheitert. Den besten Gegenbeweis zu Völkers "System"-Befund hat Wolfgang Schüssel im Übrigen durch seinen Rücktritt gerade selbst erbracht. (Andreas Khol, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6.9.2011)