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Während Mädchen mehr über Samenerguss, Selbstbefriedigung und Pornografie wissen wollten, zeigten die Burschen vor allem Interesse an Aufklärung über Homosexualität, Beschneidung und den weiblichen Zyklus.

Foto: APA/Guido Manuilo

Graz - Let's talk about Sex - oder auch nicht: Einer neuen Studie zufolge sind steirische Kinder und Jugendliche mehr schlecht als recht über Sexualität aufgeklärt.

Vor allem Burschen würden sich in erster Linie über das Internet und Pornofilme ihr Wissen holen, das mit der Realität kaum was zu tun habe, meint Studienautorin Yvonne Seidler.

Nur 62 Prozent fühlen sich aufgeklärt

Die Erhebung der Daten erfolgte mittels anonymen Fragebögen, die an 550 steirische Jugendliche im Alter von zehn bis 21 Jahren ausgegeben wurden. Mit einem hohen Rücklauf von 413 Antwortschreiben wurde die Studie von den Mitarbeitern des Vereins Hazissa, Fachstelle für Prävention, erstellt. Dabei zeigte sich, dass sich nur 62 Prozent der Mädchen und Burschen in sexuellen Themen aufgeklärt fühlt. Dies sei laut Seidler eine niedrige Rate.

Lücken bei Burschen

Signifikante geschlechtsspezifische Unterschiede zeigten sich bei den Detailfragen über Themen, die im Schulunterricht durchgenommen wurden. Während sich Mädchen generell an mehr Inhalte aus Sexualkunde erinnerten, zeigten die Burschen Lücken. Das sei ein Zeichen dafür, dass der Stoff des Sexualunterrichts bei Schülern weniger gut aufgenommen werde als bei Schülerinnen.

Deutliche Unterschiede

Auch bei den Themen, über die sie sich mehr Informationen wünschten, wurden Unterschiede deutlich: Während Mädchen mehr über Samenerguss, Selbstbefriedigung und Pornografie wissen wollten, zeigten die Burschen vor allem Interesse an Aufklärung über Homosexualität, Beschneidung und den weiblichen Zyklus.

Als Informationsquelle dienten den jungen Männern das Internet, gefolgt von Gesprächen, der Schule und Pornos. Bei den jungen Frauen seien es vor allem Gespräche und Zeitschriften.

Dr. Sommer "immer besser"

"Bravos Dr. Sommer wurde in den vergangenen Jahrzehnten immer besser und biete richtigere Informationen als Gespräche mit Freundinnen, die oft auch nur über Halbwissen verfügen," meinte Seidler.

Kritisch sah die Expertin Aufklärung mittels Pornografie: Jugendlichen sei sie verboten, da die Darstellungen noch vor dem Entdecken der eigenen Sexualität ein falsches Bild der Realität abbildeten.

Kein Jugendschutz im Internet

Doch da der Jugendschutz im Internet praktisch nicht gegeben sei, würden Burschen ohne Probleme auf einschlägige Seiten zugreifen. Eltern müssten da mehr kontrollieren und im Falle derartiger Beobachtungen offensiv das aufklärende Gespräch über das Gesehene suchen, so Seidler.

Landesrätin Grossman empfahl anhand der Studienergebnisse, den Aufklärungsunterricht in den Schulen nach Mädchen und Burschen getrennt und nicht mit den jeweiligen Pädagogen, sondern vielleicht jenen der Parallelklasse zu machen, um in etwas anonymerer Umgebung auch "peinliche" Fragen stellen zu können. (APA)