Veranstalter von (Pop-)Konzerten sehen es oft gar nicht gerne, wenn Besucher Fotos und Videos machen und auf Facebook und Youtube veröffentlichen. Sie wollen selbst gerne damit Geld verdienen, indem sie Verwertungsrechte teuer verkaufen. Aber kann man das Besuchern einfach verbieten?

Ein gesetzliches Verbot, auf Konzerten zu fotografieren, besteht grundsätzlich nicht. Wollen Veranstalter ein Verbot begründen, müssen sie es vertraglich vereinbaren, was meist über Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB) der Ticketverkäufer versucht wird.

Konzertbesucher müssen nicht automatisch davon ausgehen, dass ein Fotografierverbot für die besuchte Veranstaltung gilt. Die wirksame Vereinbarung muss Teil des Verkaufsprozesses der Eintrittskarten sein, andernfalls müssen Veranstalter davon ausgehen, dass das Verbot nicht wirksam vereinbart wurde und daher Verstöße dagegen aus rechtlicher Sicht auch nicht sanktionierbar sind. In der Praxis wird darauf häufig vergessen oder es unterlaufen dabei leicht vermeidbare Fehler, vor allem durch fehlerhafte Implementierung der AGB in den Verkaufsprozess.

Und wie sieht es umgekehrt aus? Veranstalter fotografieren und veröffentlichen oft selbst Bilder von ihren Events, seien es Clubbings oder etwa Festivals. Je "flotter" diese Fotos sind, desto besser die Werbung für den Veranstalter. Aber dürfen sie das?

Die zentrale Bestimmung, die es für die Bildaufnahme und Veröffentlichung von Personenbildern zu beachten gilt, ist § 78 Urheberrechtsgesetz (UrhG). Danach ist das Fotografieren und Filmen durch den Veranstalter grundsätzlich zulässig. Eine Veröffentlichung oder Verbreitung der aufgenommenen Bilder in der Öffentlichkeit ist aber nur dann erlaubt, wenn dadurch nicht berechtigte Interessen des Abgebildeten verletzt werden.

Keine Fotos für Werbezwecke

Eine Veröffentlichung von Personenbildnissen kann dann berechtigte Interessen verletzen, wenn sie zu Werbezwecken erfolgt, weil sich der Abgebildete dadurch dem Verdacht aussetzt, sein Bild für Werbezwecke entgeltlich zur Verfügung gestellt zu haben. Berechtigte Interessen können aber auch dann verletzt sein, wenn der Abgebildete durch die Veröffentlichung oder Verbreitung des Bildes bloßgestellt (z. B. unvorteilhafte Aufnahmen oder Fotos mit intimeren Kontakten in jeder Hinsicht), sein Privatleben der Öffentlichkeit preisgegeben oder das Bild auf eine Art benutzt wird, die zu Missdeutungen Anlass geben kann oder entwürdigend oder herabsetzend wirkt.

Wer sich daher nach einer wilden Partynacht auf einem bloßstellenden oder herabsetzenden Foto im Internet wiederfindet, ohne seine Zustimmung zu dieser Veröffentlichung erteilt zu haben, dem räumt das UrhG einen Anspruch auf Beseitigung und im Falle von Wiederholungsgefahr auch einen Unterlassungsanspruch ein. Daneben können Verstöße gegen § 78 UrhG sogar mit Schadenersatz und Urteilsveröffentlichung sanktioniert sein. (red, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 7.9.2011)