Die Schweizer Notenbanker gehen nicht ohne Vorbild an die faktische Koppelung des Frankens an den Euro. Als die Währung der Eidgenossen 1978 um 40 Prozent zur D-Mark aufwertete, flutete das Land die Märkte mit mehr als zehn Milliarden Franken und sorgte prompt für eine Normalisierung des Austauschverhältnisses, allerdings zum Preis einer hohen Inflation. Seither hat sich freilich einiges geändert: Aus der D-Mark wurde der Euro, der ein weit größeres Wirtschaftsgebilde repräsentiert als Deutschland; die Volumina an den Währungsmärkten sind inzwischen explodiert, mit zehn Milliarden Franken ist kein Devisenkurs zu machen; und der Franken beeinflusst direkt nicht nur die Schweizer Wirtschaft, sondern zieht über Vermögensverwaltung und Fremdwährungskredite Spuren durch die Weltwirtschaft. In Osteuropa sind Entscheidungen der Schweizer Notenbank wegen der hohen Franken-Verbindlichkeiten wohl gewichtiger als die der nationalen.

Diese Faktoren stellen keine Gegenargumente zum neuen Höchstkurs von 1, 20 Franken zum Euro dar, aber sie verdeutlichen die Schwierigkeiten des Berner Balanceaktes. Sollte die "ultimative Waffe" ihr Pulver im Kampf gegen die weltweiten Finanzmärkte verschießen, droht eine Mischung aus Schock, Verlust aus dem Kauf anderer Währungen und Verunsicherung. Die Notenbank hätte ihre Glaubwürdigkeit verspielt.

Vorerst kann sie beliebig Franken drucken und mit ultralockerer Geldpolitik versuchen, den Kurs auf gewünschtem Niveau zu stabilisieren. Die Lage der heimischen Wirtschaft lässt den Schritt als gerechtfertigt erscheinen: Die Exporte leiden unter der Aufwertung ebenso wie der Tourismus. Der Anstieg der Einkäufe und Reisen im Ausland sind ein guter Beleg für die direkten Auswirkungen des Währungswahnsinns. Die Auslagerungen der Betriebe haben ein für die Beschäftigung gefährliches Ausmaß erreicht.

Wie auch immer das mutige Experiment ausgehen mag: Vertreter der Eurozone sollten sich nicht zu früh freuen, selbst wenn sich die Problematik der Fremdwährungskredite durch den Schritt etwas entschärfen sollte. Solange internationales Kapital der Währungsunion nicht traut, werden die Verwerfungen anhalten. Die Schweiz wird sich jedenfalls hüten, die Franken in Anleihen von angeschlagenen Eurostaaten zu stecken. (DER STANDARD; Print-Ausgabe, 7.9.2011)