Die Österreicher müssen sich künftig auf einen deutlich höheren Zuckerpreis einstellen: "Es gibt eine grundsätzliche Steigerung von über 20 Prozent", sagte Johann Marihart, Chef des heimischen Zuckerkonzerns Agrana. Medienberichte hatten von einer Erhöhung von durchschnittlich 35 Prozent berichtet. Verantwortlich für die Erhöhung macht Marihart den derzeit hohen Weltmarkt-Zuckerpreis und eine Zucker-Unterversorgung in der EU. Höhere Preise werde es nach dem Auslaufen der einjährigen Lieferverträge ab Anfang Oktober geben.

Nicht nachvollziehbar ist für den Agrana-Chef die scharfe Kritik an der Preiserhöhung durch Spar-Chef Gerhard Drexel. Spar habe "die Preise schon Ende Juni angehoben, obwohl man monatelang noch altpreisigen Zucker hatte", entgegnete Marihart.

Agrana, mit der Marke "Wiener Zucker", ist der einzige Zuckerhersteller Österreichs und hält einen Marktanteil von rund 90 Prozent am heimischen Zuckermarkt. Der Agrarkonzern betreibt zwei Zuckerfabriken in Niederösterreich mit einer Produktionskapazität von über 400.000 Tonnen.

Verfahren beim Kartellgericht

Gegen Südzucker und ihre österreichische Beteiligung Agrana ist seit September 2010 ein Verfahren beim Wiener Kartellgericht anhängig. Die beiden Unternehmen sollen sich zwischen 2004 und 2008 mit einem anderen Anbieter den Zuckermarkt per Absprachen aufgeteilt haben. Das Verfahren sei in einem "fortgeschrittenen Zustand", hieß es aus der Bundeswettbewerbsbehörde.

Die Zucker-Produktion in der europäischen Union für den EU-Markt sei nach der Reform der Zuckermarktordnung im Jahr 2006 auf 13,3 Mio. Tonnen Zucker pro Jahr, sogenannten "Quotenzucker", begrenzt worden. Der Verbrauch liege aber derzeit bei rund 17,3 Mio. Tonnen, erklärte Marihart. Das sei damals unter anderem aufgrund von handelspolitischen Überlegungen geschehen, um den ärmsten Exportländern den Markteintritt mit "billigem Zucker" zu ermöglichen.

Seit der Reform habe sich aber der Weltmarkt-Zuckerpreis auf rund 500 Euro pro Tonne verdoppelt. "Zuckerrohr in Brasilien kostet derzeit so viel wie Zuckerrüben in Österreich", so Marihart. Unter anderem die Verwendung von Zuckerrohr für die Bioethanolproduktion, etwa in Brasilien, treibe den Preis in die Höhe. Für die kommenden Monate erwartet Marihart eine Seitwärtsbewegung auf hohem Niveau. Der Agrana-Chef, er ist auch Sprecher der Europäischen Zuckerindustrie, fordert von der EU-Kommission eine Erhöhung des "Quotenzuckers" um 500.000 bis 1 Mio. Tonnen um den angespannten europäischen Zuckermarkt zu entlasten.

Im Rahmen der EU-Zuckermarktreform wurden innerhalb der europäischen Union 80 von 180 Zuckerfabriken geschlossen, sehr viele davon in Osteuropa. Ungarn benötigt beispielsweise 300.000 Tonnen Zucker pro Jahr, produziert aber nur mehr 100.000 Tonnen. (APA)