Zentraler Schauplatz von Stalking Stalker war das ehemalige Elektrizitätswerk Katel, das derzeit zu einem Kulturzentrum umgestaltet wird.

Foto: Stalking Stalker

Angeregt vom Einsatz elektronischer Musik in Stalker bot das Festival u.a. Auftritte von Planningtorock, Ilpo Vaisänen & Philipp Geist, Erkki Sven-Tüür & Lauri-Dag.

Foto: Stalking Stalker

Im Film repräsentiert das ehemalige Elektrizitätswerk Katel den Eingang zur sogenannten Zone. Auf dem Schornstein sind die dafür aufgemalten großen weißen Buchstaben UN noch immer zu sehen.

Foto: Stalking Stalker

Die wenigsten wissen, dass Andrej Tarkowski den Großteil seines mysteriösen Kultfilms Stalker in Tallinn gedreht hat – nicht einmal die Einwohner der estnischen Hauptstadt selbst. Der Initiative zweier österreichischer Künstler – Anna Ceeh und Franz Pomassl – ist es zu verdanken, dass – mithilfe von Tarkowskis Standfotographen – die Originalschauplätze wiederentdeckt und teilweise auch vor dem Abriss bewahrt wurden. Ihre Idee aufgreifend hat jetzt im Rahmen von Tallinn Kulturhauptstadt Europas 2011 zu Ehren des allzu früh verstorbenen Meisters ein großes Festival stattgefunden – unter dem wortspielmäßig sinnigen Titel Stalking Stalker.

Eröffnet wurde in der Temnikova & Kasela Galerie mit einer berührenden Ausstellung von Tarkowskis (fast schon zu) privaten Polaroids, entstanden vor allem im Vorfeld zu den Dreharbeiten von Nostalghia in Italien. Weiter ging es im stalinistischen Prunk- (mittlerweile Programm-) Kino Söprus mit einer zwar von Stalker (und dem dazugehörigen Dokumentarmaterial zu den Dreharbeiten) ausgehenden, dann aber doch weiter ausholenden Filmretrospektive (mit sich an Tarkowski orientierenden Werken von Aleksander Sukorov, Chris Marker, Bela Tarr, Veiko Öunpuu, Sergei Paradzanov etc.).

Foto: Stalking Stalker

Kernpunkt der einwöchigen Veranstaltungsreihe war das ehemalige Elektrizitätswerk Katel (wird derzeit zu einem Kulturzentrum umgestaltet), das im Film als imposante Industrieruine den Eingang zur sogenannten Zone repräsentiert. (Auf dem riesigen Schornstein sind die dafür aufgemalten großen weißen Buchstaben UN immer noch zu sehen).

Angeregt vom bahnbrechenden und innovativen Einsatz von elektronischer Musik in Tarkowskis Meisterwerk gaben sich hier die herausragenden Vertreter dieser Musikrichtung(en) nächtelange coole Gipfeltreffen, darunter: Planningtorock, Ilpo Vaisänen & Philipp Geist, Erkki Sven-Tüür & Lauri-Dag etc.

Ausflüge zu den außerhalb Tallinns gelegenen Locations rundeten das Programm ab. So konnte man nicht nur den Raum - in dem alle innersten Wünsche in Erfüllung gehen – besuchen (ein stillgelegtes Wasserkraftwerk), sondern auch den Wasserfall und die Wiese.
Seltsamerweise war es gerade letztere (über die sich die Dreiergruppe aus Stalker, Professor und Schriftsteller schraubenmutterwerfend auf den Raum zuzubewegen versucht), die man auf Anhieb und zweifelsfrei erkannte. Das vermittelte – obwohl doch seit dem Dreh bereits mehr als 30 Winter ins Land gezogen sind – ein gespenstisches Gefühl von Ewigkeit. Aufgrund des großen Erfolges denkt man jetzt in Tallinn daran, aus dem Stalker-Festival (soo viele urbane Mythen hat die Stadt schließlich auch nicht) ein alljährliches Event zu machen. Nächstes Jahr in der Zone! (Robert Quitta, derStandard.at, 7. September 2011)