Wien - "Vielleicht fehlen uns am Dienstag ein oder zwei Abgeordnete", ärgert sich ein Schwarzer. Noch sind nicht alle Nachbesetzungen im ÖVP-Klub abgeschlossen. Und es ist in der Tat höchst kompliziert, wer wem folgt.

Theoretisch macht Wolfgang Schüssel für Erwin Rasinger Platz. Denn der Wiener Arzt ist der Nächste auf der Grundmandatsliste für Wien-Südwest, über die der Ex-Kanzler bei der letztenWahl in den Nationalrat gekommen ist. Das Problem dabei: Rasinger sitzt bereits im Nationalrat. Er übernahm nach der Ernennung von Josef Pröll zum Vizekanzler dessen Mandat auf der Bundesliste.

Die VP wird Rasinger trotzdem das neue Mandat anbieten. Ob er es annimmt, lässt Rasinger offen: "Ich sitze so oder so im Parlament, auf welchem Mandat ist mir wurscht", sagt der Gesundheitssprecher zum Standard. Das werde sich wohl der Bundeschef mit den Landeschefs ausmachen.

Mit Schüssels Abgang im Zuge der Telekom-Affäre wird also nicht zwingend ein Platz für einen Wiener im Nationalrat frei. Tauscht Rasinger das Bundes- gegen ein Grundmandat, könnte ihm auch ein VPler aus einem anderen Bundesland folgen. Dabei wird vor allem der ehemalige VP-Generalsekretär Hannes Missethon genannt, ein Steirer.

Die Wiener Schwarzen - die nach ihrer historischen Niederlage 2010 nicht unbedingt in der Position sind, Forderungen an den Bund zu stellen - gehen offenbar nicht davon aus, dass sie zum Zug kommen. Wolfgang Gerstl, nicht amtsführender Stadtrat und hinter Rasinger auf der Grundmandatsliste gereiht, winkt jedenfalls ab: "Ich habe in Wien gerade erst als Stadtrat angefangen und werde die vielen guten Kontakte so schnell nicht aufgeben", sagt er, betont aber gleichzeitig, dass dies letztlich nicht seine Entscheidung sei.

Die Nächste auf der Wien-Liste ist Waltraud Schrittwieser, Bezirksrätin in Liesing. Sie will sich derzeit nicht zum Thema äußern.

Und noch ein Mandat im ÖVP-Parlamentsklub ist frei: jenes von Ursula Plassnik. Die ehemalige Außenministerin unter Wolfgang Schüssel wurde zur Botschafterin in Paris bestellt. Der Kärntnerin wird im Parlament ein Steirer folgen: Am Dienstag soll Thomas Einwallner, ein Funktionär der Jungen Volkspartei aus Murau, angelobt werden. Der 32-Jährige ist Nummer 16 auf der Bundesliste, Plassnik war Nummer zwei. Einwallner profitiert davon, dass die Funktionäre dazwischen anderwertig versorgt sind. (stem, völ, DER STANDARD; Printausgabe, 8.9.2011)