Henning E. Jensen hat dem Aufsichtsrat der RHI AG mitgeteilt, dass er auf eigenen Wunsch per sofortiger Wirkung seine Funktion als Vorstandsvorsitzender der RHI AG zurücklegt.

Der Aufsichtsrat der RHI AG hat der Auflösung zugestimmt und Franz Struzl zum neuen Vorstandsvorsitzenden bestellt.

Franz Struzl, 69, war zwölf Jahre als Vorstand der Voestalpine und davon die letzten drei Jahre in der Funktion des Vorstandsvorsitzenden tätig. Zuletzt leitete Franz Struzl Villares Metals, Brasilien, ein Unternehmen der Böhler-Uddeholm Gruppe. 

Rasinger glaubt nur an "Übergangslösung"

Die Änderung im Vorstand bei RHI sei eine "wirklich große Überraschung", sagte Kleinanleger-Vertreter Wilhelm Rasinger am Mittwochabend. Dass Struzl nun RHI-Vorstandsvorsitzender wird, könne angesichts seines Alters und seiner bereits geäußerten Absichten, sich aus dem Geschäft zurückzuziehen, aber wohl nur als eine zeitlich befristete Übergangslösung gesehen werden. Struzl ist seit 10. August nicht mehr Aufsichtsratsmitglied bei A-Tec.

Kurzzeit-Chef Henning Jensen streute Rasinger Rosen: "Er hat in kurzer Zeit einen sehr guten und kompetenten Eindruck hinterlassen. Er hatte die Interessen aller Aktionäre im Auge." Warum Jensen seine Funktion als RHI-Chef nach nur einem Jahr an der Spitze zurückgelegt hat, darüber schweigt man offiziell. "Ich kann das nicht weiter kommentieren", meinte RHI-Sprecherin Elke Koch. Nur so viel: "Das geschah auf Jensens Wunsch." Was der 51-Jährige jetzt vorhat, wisse sie nicht.

Für Rasinger lässt die "permanente Unruhe" im Vorstand darauf schließen, dass das Verhältnis zum Hauptaktionär "kein einfaches" sei. RHI-Haupteigentümer ist der Investor Martin Schlaff. In den vergangenen Jahren sei es immer wieder zu Veränderungen gekommen. "Das ist sicher nicht die beste Voraussetzung für eine langfristig nachhaltige Führung eines Unternehmens", so Rasinger. Erst vor einem Jahr im August trat überraschend der damalige Vorstandschef Thomas Fahnemann ab, Jensen folgte ihm nach. RHI bekommt nun mit Struzl zum dritten Mal in weniger als drei Jahren einen neuen Chef.

Struzl hätte man eigentlich auch als Berater engagieren können, findet Rasinger, "statt ihm gleich die gesamte Führung des Unternehmens zu überlassen". Der frühere Voest-Chef sei in den vergangenen Jahren unternehmerisch "sehr erfolgreich" gewesen, zuletzt leitete er in Brasilien Villares Metals, ein Unternehmen des zur voestalpine gehörenden Edelstahlkonzern Böhler-Uddeholm. Struzl bringe hier für RHI ein "spezielles Know-how" mit, wie Rasinger es ausdrückte. RHI ist gerade dabei, in Brasilien Fuß zu fassen. Der brasilianische Konkurrent Magnesita indes macht sich nun in Österreich breit. (red/APA)