Auckland - Der ansteigende Meeresspiegel wird allmählich zur akuten Gefahr für die Bewohner zahlreicher Pazifikinseln. Das Forum der Pazifikinseln (PIF) hat auf seinem Gipfeltreffen im neuseeländischen Auckland die Klimaentwicklung  als "größte Bedrohung" der Region bezeichnet. In einer Erklärung des aus 16 Staaten bestehenden Forums hieß es am Donnerstag, in einigen Pazifikstaaten wie Kiribati hätten Bewohner wegen des steigenden Meeresspiegels infolge der Klimaerwärmung bereits umgesiedelt werden müssen. Sie forderten unter anderem finanzielle Unterstützung für die Menschen.

Während des Gipfels brachte Kiribatis Präsident Anote Tong auch radikale Lösungen für das Klimaproblem zur Sprache. Demnach könnte die gesamte, 100.000 Einwohner zählende Bevölkerung seines Landes, das aus 33 Atollen besteht, künftig auf künstlichen schwimmenden Inseln leben. Tong zufolge würde die Umsiedlung auf Bauten, die Ölplattformen ähneln könnten, insgesamt zwei Milliarden US-Dollar (1,42 Milliarden Euro) kosten.

Meeresspiegel steigt schneller als je zuvor

Zuletzt hatte ein Forscherteam rund um Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) eine Studie veröffentlicht, die zu beängstigenden Schlüssen kommt. Demnach ist der Meeresspiegel infolge des Klimawandels seit Beginn der Industrialisierung schneller gestiegen als je zuvor in den vergangenen 2.000 Jahren. Anhand von fossilen Ablagerungen an der nordamerikanischen Atlantikküste erstellte die Gruppe die erste durchgehende Rekonstruktion der Meeresspiegelschwankungen über einen so langen Zeitraum.

Bisher sei der Zusammenhang zwischen Lufttemperatur und Anstieg des Meeresspiegels nur für die vergangenen 130 Jahre belegt worden, sagte Rahmstorf. Die neue Studie weise diesen Zusammenhang nun für 1.000 Jahre nach und erhärte die Annahme, dass der Meeresspiegel umso rascher steigt, je wärmer das globale Klima wird. "Der Mensch heizt mit seinen Treibhausgasen das Klima immer weiter auf, daher schmilzt das Landeis immer rascher und der Meeresspiegel steigt immer schneller."

Für ihre Studie, die in im Juni den Proceedings der US-Akademie der Wissenschaften (PNAS) veröffentlicht wurde, untersuchten die Wissenschafter fossile Kalkschalen von Einzellern, die sie in Bohrkernen aus Salzwiesen an der nordamerikanischen Atlantikküste fanden. Weil diese Einzeller jeweils in einer ganz bestimmten Höhe abhängig von Ebbe und Flut leben, zeigen Menge und Art der gefundenen Kalkschalen die Höhe des Meeresspiegels an. Zwar sei dies ein lokaler Befund, so die Forscher, weltweit liege die Höhe des Meeresspiegels aber ihren Annahmen zufolge höchstens zehn Zentimeter darüber oder darunter. Der Verlauf des globalen Meeresspiegelanstiegs sei daher wahrscheinlich ähnlich gewesen.

Vier Phasen

Die erhobenen Daten zeigen vier Phasen: Von 200 vor Christus bis 1000 nach Christus sei der Meeresspiegel stabil gewesen. In den nächsten vier Jahrhunderten stieg er aufgrund der mittelalterlichen Warmperiode jeweils um etwa fünf Zentimeter an. Anschließend blieb er bis zum Ende des 19. Jahrhunderts erneut stabil. Seitdem stieg der Meeresspiegel um 20 Zentimeter. "Damit ist dieser Anstieg um ein Mehrfaches schneller als alles, was es in den vorausgegangenen 2.000 Jahren gegeben hat", schreibt das PIK in einer Mitteilung.  (red/APA)