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Foto: Reuters/KEVIN LAMARQUE

Florian Mueller hat auf seinem Blog Foss Patents ein internes Memo veröffentlicht, aus dem hervorgeht, wie Google seine Partner sieht. Der Richter im Prozess Oracle gegen Google hatte beschlossen, das Papier der Öffentlichkeit nicht vorzuenthalten.

Bestimmte Partner bevorzugt

Das Memo legt nahe, dass Google bei der Entwicklung von Android bestimmte Partner bevorzugt, etwas das Beobachter schon bei der Ankündigung der geplanten Übernahme von Motorola Mobility befürchtet haben.

Fünf Grundsätze

Unter dem Titel „Wenn wir es verschenken, wie können wir sicher sein, dass wir daran verdienen?" werden fünf Grundsätze aufgezählt, die es Google erlauben den „Standard festzulegen". Die Punkte zwei und drei werden von Mueller besonders hervorgehoben.

"Entwickelt nicht offen"

Punkt 2 bestätigt alle Kritiker, die behaupten Android sei kein Open-Source-Projekt. Dort steht: „Entwickelt nicht offen. Macht stattdessen den Quellcode erst verfügbar, nachdem die Innovation abgeschlossen ist." Mit anderen Worten, sollen neue Android-Versionen erst veröffentlicht werden, wenn sie fertig gestellt sind. Auf externe Vorschläge und Mithilfe verzichtet Google komplett.

Kritik der Open-Source-Community

Diese Vorgehensweise wird von der Open-Source-Community kritisiert, da es Standard ist, dass jeder der daran Interesse hat, jederzeit einen Blick auf den Quellcode werfen und mitarbeiten kann. Verärgert dieser Punkt die Open-Source-Gemeinschaft, dürften die Handyhersteller von Punkt drei nicht begeistert sein.

"Lead Device Concept"

In dem „Lead Device Concept" genannten Punkt schreibt Google: „Gebt Partnern, die Geräte nach unseren Spezifikationen bauen und vertreiben, früher Zugang zu der Software (z.B., Motorola und Verizon). Sie bekommen eine nicht-vertraglich zugesicherte Zeit, um den Marktvorteil zu nutzen und im Gegenzug richten sie sich nach unserem Standard."

Mehrere Hersteller bevorzugt

In der Vergangenheit hat Google mehreren Herstellern früher Zugang zu Android gewährt, damit diese ein Handy nach den Vorstellung von Google bauen können, angefangen beim T-Mobile G1 bis hin zum Nexus S. Ungewiss ist aber, ob Google in Zukunft nur noch Motorola bevorzugt oder ob man weiterhin auf unterschiedliche Hersteller setzt.

In Zukunft nur noch Motorola?

Das Memo legt nahe, dass Google Software- und Hardwareentwicklung gerne unter Kontrolle hat und deswegen auf Motorola als Hersteller der Vorzeige-Geräte setzt. Damit würde Google eine ähnliche Richtung wie Apple bei seinem iPhone einschlagen.

Kritik von Techcrunch

Jason Kincad von Techcrunch ist der Meinung, dass Google diesen Weg nicht gehen werde. Andy Rubin, Senior Vice President Mobile bei Google und Verfasser des Memos, erläuterte bei der Pressekonferenz zum Motorola-Deal, dass man weiterhin den Lead Device Programm fortsetzen wird. Das heißt, dass sich weiterhin alle Hersteller um die Entwicklung eines ersten Geräts mit der neuesten Android-Version bewerben können.

Mit diesem Vorgehen zwingt Google die anderen Hersteller, früh Geräte mit dem neuen Betriebssystem herzustellen, um nicht ins Hintertreffen zu geraten, meint Kincad.

Nur Vermutungen

Das Memo lässt allerdings nur Vermutungen zu, schließlich wurde nur eine Seite veröffentlicht und es ist unklar, an wen es gerichtet war und wann es geschrieben wurde. Auch war bereits vor der Veröffentlichung des Papiers bekannt, dass Google den Code erst veröffentlicht, wenn die Software fertig ist und Hersteller für Vorzeigehandys bevorzugt. Doch begeistert dürfte Google von der Veröffentlichung nicht sein. (soc)