Grafik: DER STANDARD

Hat Barack Obama in seiner Amtszeit wie versprochen das unter George Bush angeschlagene Image der USA im Rest der Welt wieder hergestellt? In den meisten Ländern ja, sagt Richard Wike, Leiter des Global Attitude Project des amerikanischen Meinungsforschungsinstuts Pew, nicht aber in den islamischen Staaten.

"In der Türkei, Pakistan, Ägypten oder Jordanien haben wir keinen Obama-Effekt gesehen", sagt Wike im Standard-Gespräch anlässlich des 10. Jahrestags der Anschläge vom 11. September. "Die USA war in der Bush-Zeit unbeliebt und ist es noch heute."

Wike führt dies auf Widerstand gegen die US-Politik in der Region zurück, vor allem den Afghanistankrieg, den Krieg gegen den Terror, die Konfrontation mit dem Iran und die Parteinahme für Israel im Konflikt mit den Palästinensern. Auch der arabische Frühling hat in seiner ersten Phase trotz Begeisterung für westlich-demokratische Werte die Ablehnung der USA nicht gemildert, sagt Wike.

Der einzige Ausreißer in der islamischen Ablehnung der USA ist Indonesien, wo Obama einige Kindheitsjahre verbracht hat. Dort wird die USA seit seinem Amtsantritt wieder positiv gesehen. Aber auch Sunniten in Libanon sind relativ USA-freundlich, sagt Wike.

Vor allem in Europa ist die Beliebtheit der USA nach dem Wahlsieg Obamas 2008 dramatisch gestiegen und seither - bei aller Enttäuschung über viele politische Entscheidungen in Washington - kaum gesunken. Immer noch haben laut Pew-Umfragen die Bürger in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Spanien viel mehr Vertrauen in Obama als die Amerikaner selbst (Österreich kommt in den Pew-Daten nicht vor).

Allerdings ist vor allem in Westeuropa der Glaube an die Macht USA seit Ausbruch der Finanzkrise stark geschrumpft. Eine klare Mehrheit der Befragten behaupten, dass China die USA als Supermacht bereits überholt hat oder dies in Zukunft machen wird - in Frankreich sind etwa 72 Prozent davon überzeugt, und in Spanien 67 Prozent. Diese Sichtweise ist laut Wike in Entwicklungs- und Schwellenländern weniger ausgeprägt - und am wenigsten in manchen islamischen Staaten. In der Türkei unterstützen nur 36 Prozent diese These.

Auffällig ist für Wike auch die Tatsache, dass der Antiamerikanismus unter Muslimen Hand in Hand mit einer antiwestlichen Haltung geht. "In den muslimischen Staaten herrscht die Meinung vor, dass die Beziehungen zum gesamten Westen schlecht sind, also auch zu Europa." (Eric Frey, STANDARD-Printausgabe, 9.9.2011)