Korrekturwoche, ATX weiter volatil erwartet. Nicht ganz unerwartet hat der ATX in der letzten Woche wieder den Rückwärtsgang eingelegt (-5,0%), konnte sich aber auf einem höheren Niveau als zuletzt stabilisieren (bei rund 2.090 Punkten). Derzeit sieht es so aus, wie wenn der ATX vorerst einmal in der Bandbreite von 2.050 - 2.300 Punkten verharren würde. Von der fundamentalen Bewertung her wäre ein Ausbruch nach oben sicher gerechtfertigt, ob dies jedoch noch im (Crashmonat) September gelingen wird, bleibt fraglich. Zusätzlich belasten die Nachrichten zur Wirtschaftsabschwächung im 2. Halbjahr, die nun nach und nach in den Kurszielen Einklang finden.

In der letzten Woche gab es im ATX keinen einzigen Gewinner, was natürlich auch bezeichnend ist. Die Verliererliste wird von Zumtobel (-18,4%) angeführt, welche diese Woche Q1-Zahlen publiziert hat. Diese lagen ergebnisseitig etwas unter den Erwartungen, allerdings wurde auch der Ausblick vorsichtiger formuliert. Der Kursrückgang erscheint dennoch übertrieben, wenngleich wir ebenso unser Kursziel senken werden müssen. Intercell verlor wiederum 10,7%, hier dürfte nun die endgültige Bestätigung des ATX-Rauswurfs per 19. September noch mal belastet haben. Neben Intercell wird auch Semperit den Leitindex verlassen müssen, dafür werden Lenzing und Mayr-Melnhof wieder aufgenommen. Weiters schwach waren Wienerberger (-8,9%) und RHI (-8,9%), wobei es bei RHI diese Woche (wieder) zu einem CEO-Wechsel kam. Dies halten wir grundsätzlich
für negativ, allerdings könnte es im Falle von RHI auch zu vermehrten Fusionsspekulationen mit der brasilianischen Magnesita führen, weshalb wir diesen Vorstandswechsel aus Aktiensicht nicht so negativ sehen.

Das negative Highlight am Ende der Woche war allerdings Verbund, der Donnerstagabend mit einer schweren Gewinnwarnung überraschte. Die fiel dadurch am Freitag auf neue Tiefststände und wird sich aller Voraussicht nach auch nicht so bald von diesen Niveaus erholen. Hier würden wir auch aufgrund der charttechnisch angeschlagenen Lage noch nicht ins fallende Messer greifen.

Vom kurzfristigen Ausblick her sind wir derzeit weiter vorsichtig. Die Phase der Bodenbildung wird sicherlich noch länger dauern, auch ein nochmaliger Test der 2.000 Punktemarke im ATX kann nicht ausgeschlossen werden. Die mittel- und längerfristige Perspektive stimmt uns aber zuversichtlich. Der ATX notiert mittlerweile unter dem Buchwert 2011, was schon zeigt, welches düstere Konjunkturszenario in den Kursen eingepreist ist. Eine deutliche Erholung der Aktien sehen wir wahrscheinlich erst, wenn sich die Konjunkturerwartungen und Gewinnschätzungen (auf tieferen Niveaus) stabilisiert haben, wofür es derzeit allerdings noch zu früh ist (siehe Verbund). In der Zwischenzeit werden Aktien wie zB eine Österr. Post, die sicherlich der mit Abstand attraktivste defensive Wert an der Wr. Börse ist, outperformen.