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Foto: AP/Markus Schreiber

Drei Millionen Österreicher leisten jede Woche fast 15 Mio. Stunden Freiwilligenarbeit. Als ein Trend dabei, der in die sogenannte Corporate Social Responsibility (CSR) greift, hat sich "Corporate Volunteering" entwickelt: Ein Unternehmen motiviert seine Mitarbeiter in der Arbeits- und/oder der Freizeit, soziale Arbeit zu tun.

"Das Freiwilligenjahr ist für eine Reihe von Unternehmen ein Trigger, Mitarbeiter solcherart zum Einsatz zu bringen" , so Martin Oberbauer von der Ehrenamtsbörse des Wiener Hilfswerks. Gelegentlich wollten Firmen ganze Abteilungen en bloc einen Tag zum Einsatz bringen. Dass sich da manchmal der Verdacht regt, es könnte sich um eine PR-Aktion fürs Image handeln, kann Oberbauer nicht ganz von der Hand weisen. Zu den Fakten zurück: 180 Non-Profit-Organisationen (NPO) suchen derzeit in Wien Freiwillige - die Ehrenamtsbörse vermittelt, berät, versucht, vor dem Verheizen zu schützen.

Was Unternehmen, die langfristig Corporate Volunteering betreiben, davon haben, erklärte anlässlich des Tags der offenen Tür bei der Wiener Tafel die Personalleiterin der Erste Bank Österreich, Sabine Mlnarsky-Bständig: "Es ist eine Lernreise für die einzelnen Mitarbeiter - und sie bringen in das Stammunternehmen viel zurück: Kenntnis anderer Strukturen, andere Perspektiven." Allerdings müsse der Transfer intensiv begleitet werden, sonst bleibe es bei individueller Erfahrungsbereicherung. Wie gut es "passen" kann, zeigt sich am Projekt Zweite Sparkasse, in dem seit fünf Jahren Bankmitarbeiter freiwillig für und mit Kunden arbeiten, die sonst keine Bankverbindung erhalten könnten.

Die Erste Bank ist auch im Projekt Vernetzte Welten seit sieben Jahren aktiv, spendet dort "Humankapital" . Um den Nutzen im Sinne des Transfers, so Mlnarsky-Bständig, müsse man sich ebenso kümmern, sonst bleibe das eine "Spende" .

Haltungen fördern

IBM hat seit vielen Jahren eine Vielzahl solcher Projekte, darunter auch die Kooperation mit der Wiener Tafel: Mitarbeiter holen Lebensmittel ab und bringen sie zur Verteilung an Bedürftige: "Die Einstellung in der Firma zur freiwilligen Hilfsleistung fördern" , sagt Generaldirektorin Tatjana Oppitz, sei ein konzernweit zentrales Anliegen. IBM profitiere von der Motivation. Heuer würden global für solche Projekte zwölf Mrd. Dollar zur Verfügung gestellt.

Martin Haiderer, als Gründer und Obmann der Wiener Tafel praktisch von Berufs wegen ein "Robin Hood" , hat zur Frage nach den Schattenseiten des Corporate-Volunteering-Trends nicht viel zu sagen, außer: Kurzfristige PR-Anliegen von Unternehmen bringen keiner Seite etwas.

Vermutlich schaden sie beiden Seiten sogar - NPOs sind überfordert mit dem Ansturm, in Unternehmen etabliert sich kein Wert, im Gegenteil: Der Verdacht von "Schnell einen Imageauftritt" untergräbt die Glaubwürdigkeit.

Offene Türen

Welche Gefahren hinter dem Glanz des Erfolges der gegenwärtigen Robin-Hood-Bewegung stecken, haben Unternehmen mit NPOs am Freitag anlässlich der offenen Türen in der Wiener Tafel diskutiert: Welche Projekte eignen sich? Welche nicht? Welche Rahmenbedingungen brauchen beide Seiten? Stecken wir in einem neuen Verteilungskampf, in dem Mittelschichten brav freiwillig arbeiten, damit die Ressourcen hin zu den Armen besser verteilt werden und "Reiche" sowie Politik möglichst unbehelligt bleiben?

Reichen die Verbesserungsvorschläge der Vereinsgesetznovelle (Einschränkung des Haftungsrisikos für Ehrenamtliche) aus, um diese Arbeit sinnvoll zu fördern und zu unterstützen? Dass diese Leistungen zentrales Bindemittel der Gesellschaft sind, postuliert Martin Haiderer - in der Wiener Tafel sind derzeit 220 Ehrenamtliche tätig. Ohne sie gäbe es die Leistungen nicht. (Karin Bauer, DER STANDARD, Printausgabe, 10./11.9.2011)