Christine Marek war die falsche ÖVP-Parteichefin für Wien. Das war spätestens seit der desaströsen Wien-Wahl, die nun immerhin schon ein Jahr zurückliegt, deutlich erkennbar. Der Wahlkampf, bei dem sie versuchte, die FPÖ mit ihren Aussagen über eine Arbeitspflicht für Langzeitarbeitslose rechts zu überholen und dabei auch auf das zum Fremdschämen veranlassende Geilomobil von JVP-Kurz setzte, hätte auch schon die schwarzen Alarmglocken läuten lassen sollen.

Dabei hatte sie als Familien-Staatssekretärin eigentlich einen passablen Job gemacht und wirkte etwa mit ihren Ansichten in puncto Ehe für homosexuelle Partner so liberal, wie es für ein urbanes aufgeklärtes konservatives Publikum eigentlich hätte passen können. Damals blitzte bei Marek doch ein gewisses politisches Talent durch. Aber in der Bundeshauptstadt? Wem politische Meilensteine aus ihrer Wiener Ära einfallen, der möge diese posten.

Bei ihrer Verabschiedung war von Inhalten auch kaum die Rede. Sie hat stattdessen offen darüber gesprochen, dass sie deswegen geht, weil sie die parteiinterne Kritik dazu zwingt. Es ging um ihre Person, nicht um ihre Politik. Nun nehme sie sich aus der Schusslinie und gehe ins Parlament. Man stellt sich die Frage: Gibt es im Parlament einen politischen Waffenstillstand? Das Volk muss sich doch denken, dass die Volksvertreter im Nationalrat ein leichtes oder zumindest leichteres Leben haben. Früher wurde man auf den Posten des Volksanwaltes oder in den Bundesrat abgeschoben, heute ins Hohe Haus. "Wie erklär ich das jetzt meinen Kindern? Wenn wer unfähig ist, geht er ins Parlament", trifft User "hayseed" den Nagel auf den Kopf.

Die Personalvergabe bei der ÖVP gleicht immer mehr einem Zufallsgenerator als einem verantwortungsbewussten Umgang mit wichtigen politischen Ämtern. "Es geht um Politik, die sich nicht zum bloßen Machterhalt erdreistet", heißt es im mehr als zum Fremdschämen veranlassenden Marek-Rap. Durch den Rücktritt ins Parlament denkt man aber an das genaue Gegenteil. (derStandard.at, 9.9.2011)