Damaskus - Während die offiziellen Vertreter der syrischen Opposition betonen, dass sie keine ausländische militärische Intervention nach libyschem Muster in Syrien wünschen, rufen syrische Demonstranten vermehrt um Hilfe: Auf einem neuen Video aus der Stadt Jisa ist ein Spruchband mit der Aufschrift "Das Volk will internationalen Schutz" zu sehen. Trotz unverminderter Gewalt gingen auch diesen Freitag wieder in etlichen syrischen Städten Menschen auf die Straße, um das Ende des Regimes von Präsident Bashar al-Assad zu fordern.

Zu einer größeren Kundgebung kam es in Homs, wo Armee und Sicherheitskräfte die ganze Woche massiv gegen Oppositionelle vorgegangen waren. Auch in der Stadt Deir al-Sor hätten sich Gegner des Regimes versammelt, hieß es. Weitere Demonstrationen wurden aus Vororten der Hauptstadt Damaskus, dem kurdischen Nordosten und der nordwestlichen Provinz Idlib an der türkischen Grenze gemeldet.

Es sind keinerlei Anzeichen zu merken, dass Assad dem internationalen Druck, die Gewalt gegen die Demonstranten einzustellen, nachgibt. Schützenhilfe bekam er vom russischen Präsidenten Dmitri Medwedew, der in einem Interview das syrische Regime zwar für die überzogene Gewalt kritisierte, aber anmerkte, dass sich unter die Demonstranten auch terroristische Elemente mischten. Inzwischen hat auch Irans Präsident Mahmud Ahmadi-Nejad Assad gemahnt, dass "eine militärische Lösung nie eine gute Lösung" sei.

Japan hat am Freitag das Vermögen Assads und weiterer Regierungsvertreter eingefroren. Damit schloss sich die Regierung in Tokio Sanktionen der USA und der EU an. Die EU hat zuletzt ein Ölembargo gegen Syrien verhängt.

Oppositionstreffen in Wien

In Wien findet am Samstag eine Konferenz von Vertretern syrischer Gemeinden in Europa statt. Wie die syrische Gemeinde in Österreich ankündigte, geht es dabei um die "Unterstützung der Revolution" . Man wolle erreichen, dass sich die diplomatischen Vertretungen in den jeweiligen Ländern vom Regime lossagen. Die Konferenzteilnehmer kommen aus Österreich, Deutschland, Italien, Spanien und aus mehreren osteuropäischen Ländern.

Nach libyschem Vorbild hatten Exponenten der syrischen Opposition nach einer Konferenz in der türkischen Hauptstadt Ankara einen "Nationalen Übergangsrat" im Exil gebildet. Vorsitzender ist der Soziologieprofessor Burhan Ghalioun, der an der Pariser Sorbonne lehrt. (red/DER STANDARD, Printausgabe, 10.9.2011)