Terrorgefahr in Österreich

Grafik: STANDARD

DER STANDARD-
Schwerpunktausgabe 9/11

Grafik: DER STANDARD

Der Terroranschlag vom 11. September 2001 war nicht der erste und nicht der letzte, der die Gemüter der Österreicher tief bewegt hat: Seit den 1970er-Jahren waren sie Anschläge im Inland gewohnt - und der Attentäter von Oslo hat wiederum für eine neue Gefühlsregung gesorgt: Derzeit werden - wie die Grafik zeigt - Anschläge durch einzelne Wahnsinnige, ein Cyber-War, und die Plünderung von Banken sowie Anschläge durch Rechtsradikale als die größten terroristischen Bedrohungen gesehen; Anschläge durch Islamisten liegen nur im Mittelfeld.

Insgesamt sagen nur sieben Prozent der Österreicher, die Welt sei in den vergangenen zehn Jahren sicherer geworden, 62 Prozent vermuten das Gegenteil. Für das österreichische Umfeld vermuten 21 Prozent - vor allem Grün-, aber auch FPÖ-Wähler - eine Verbesserung der Sicherheitslage.

Hat sich nun das Leben unter dem Eindruck von Terrorgefahren verändert, oder hat es da keine Veränderungen gegeben? Nur ein Prozent der Bevölkerung sieht sehr starke Veränderungen, weitere neun Prozent spürbare Änderungen, 15 Prozent geringe Änderungen, und für 73 Prozent hat sich in dieser Hinsicht gar nichts getan.

Nach Terroranschlägen gibt es ja immer wieder Diskussionen, und da werden im Wesentlichen zwei Meinungen vertreten. Die einen sagen: "Um die Terrorgefahr zu verringern, soll der Staat scharfe Maßnahmen ergreifen, auch wenn das eine Einschränkung von Bürgerrechten bedeutet." Die anderen sagen: "Eine Einschränkung von Bürgerrechten ist keinesfalls zulässig, scharfe Einschränkungen der offenen Gesellschaft würden genau den Terroristen recht geben." Market legte diese beiden Fragen 400 repräsentativ ausgewählten Wahlberechtigten vor - und stellte fest, dass es hier eine Pattsituation gibt: Jeder der beiden Meinungen neigen genau 41 Prozent zu. Dabei vertreten jüngere und hochgebildete Befragte mehrheitlich die liberale Position, Menschen vom Land und Frauen halten sich eher an den Vorschlag rigider Eingriffe.

Der Standard ließ auch fragen: "Wie sehen Sie das persönlich? Ist Ihr eigenes Risiko, Opfer eines Terroranschlags zu werden, heute größer oder kleiner als vor zehn Jahren, oder hat sich da nichts geändert?" Dabei zeigt sich ein klarer Zusammenhang mit der vorherigen Frage: Jene 41 Prozent, die ein gesteigertes persönliches Bedrohungsbild wahrnehmen, decken sich in hohem Maße mit jenen anderen 41 Prozent, die ein härteres Durchgreifen zulasten von Bürgerrechten befürworten.

Jedenfalls sehen 55 Prozent ihr persönliches Risiko unverändert, drei Prozent meinen sogar, es sei gesunken. (Conrad Seidl, DER STANDARD; Printausgabe, 10./11.9.2011)