9/11. Stellvertretend für viele andere Weltverschwörungstheoretiker fragt Leser Hans-Peter R. aus Salzburg nach einer Aufzählung der angeblichen Gründe, warum 9/11 ganz anders war: "Ist's den Amerikanern nicht zuzutrauen, dass sie alles nutzen (nutzten), um Krieg führen zu können?"

Nein.

Es ist ihnen nicht zuzutrauen. Aus. Weil sie es nicht getan haben. Aus. Weil es ein Haufen muslimischer Gottesstaatler war. Aus. Weil all die geistesgestörten 9/11-Verschwörungstheorien, die auch der ORF zu seiner ewigen Schande verbreitet, lächerlicher bullshit sind - tausendfach widerlegt und trotzdem unsterblich.

Die Erinnerung an 9/11 wird auch bestimmt von der Bereitschaft, die Opfer zu Tätern zu machen. Das Faszinierende daran war der Gedankenprozess, der Hunderttausende, wenn nicht Millionen auf der ganzen Welt dazu brachte, an ein wüstes Komplott der Amerikaner gegen sich selbst zu glauben statt an die Tatsache, dass es immer wieder mörderische Fanatiker gibt, deren ultimativer kick es ist, die Welt in die Luft zu sprengen. "Wir können untergehen, vielleicht", wird Hitler zitiert. "Aber wir werden eine Welt mitnehmen. Muspilli. Weltenbrand."

Die Verschwörungstheoretiker suchen immer nach einem verborgenen Hintergrund. Hier ist er: Es besteht in der Welt kein Mangel an charismatischen Psychopathen mit einem pseudopolitischen Motiv. (DER STANDARD, Printausgabe, 10.9.2011)