Bild nicht mehr verfügbar.

Dietmar Kühbauer ist jung, aber kein heuriger Hase.

Foto: dapd/Artinger

Wien - Der Start (0:2 bei Rapid, 1:1 gegen Kapfenberg) war holprig, aber inzwischen hat Aufsteiger FC Admira in der tipp3-Bundesliga jenes Tempo aufgenommen, das der Rede ihres Coaches schon immer zu eigen war. Ein Remis und vier Siege später, nach dem 4:2-Heimerfolg über Sturm Graz am Samstag, sprudelt es aus Dietmar Kühbauer nur so heraus.

Der 40-Jährige muss noch tags darauf sehr darauf achten, sein Mantra unterzubringen - "es ist noch gar nichts geschafft" -, bevor der Stolz auf das Geschaffte den Redefluss anschwellen lässt. Kühbauer, der vor der Partie gegen den Meister behauptet hatte, den aktuellen Tabellenstand seiner Truppe gar nicht zu kennen, ist natürlich informiert und beglückt darüber, dass Platz zwei, nur einen Punkt hinter Topfavorit Salzburg, zu Buche steht. "Zu bescheiden soll man auch wieder nicht sein. 14 Punkte, vor allem aber die Art und Weise, wie wir sie gemacht haben, sind sehr schön."

Aufsteiger-Tradition

So richtig verwundert ist er nicht. Es sei ihm schon vor der Saison klar gewesen, dass er mit seiner Truppe eine Etage höher kaum jemanden zu fürchten habe. "Wir können gegen jeden verlieren. Wir können aber, wenn wir die Tugenden der Aufstiegssaison an den Tag legen, auch alle schlagen. Aber gesagt habe ich es nicht so, weil das vielleicht überheblich geklungen hätte."

Natürlich weiß der junge, an Liga-Erfahrung aber doch nicht heurige Hase, dass Aufsteiger traditionell in der ersten Saison zu glänzen pflegen, dass der letzte sofortige Wiederabstieg mehr als ein Jahrzehnt (Steyr, 1998/99) zurückliegt. Und dass die zweite Saison, von Wacker Innsbruck gerade mit der 0:5-Heimpleite gegen Ried unfreiwillig vorexerziert, ungleich schwieriger ist. Eine stichhaltige Erklärung dafür hat Kühbauer nicht. "Aber man muss denselben Job verrichten, ob es jetzt die erste oder sechste Saison ist."

Südstadt-Idylle

Der positiven Einstellung seiner Mannschaft in jeder Situation ist er sich sicher. "Wir haben vor dem Aufstieg eine schwierige Phase durchgemacht, aber es gab nie Intrigen, kein Gemurre. Sie wollten sich immer aus dem Loch holen." Auch deshalb wurde nur punktuell verstärkt. "Selbst wenn wir Geld gehabt hätten, hätte ich große Kaderveränderungen nicht gewollt. Die Spieler haben es sich ja verdient, oben mitzuspielen. "

Und sie haben sich den Zuspruch des Publikums verdient. 8000 sahen Sturms Niederlage in der Südstadt. "Das ist für mich die größte Freude", sagt Kühbauer, der gegen Salzburg am Sonntag und gegen Rapid (1. Oktober) wieder Massenbesuch erhofft.

In den Spekulationen zur Teamchef-Frage, die sich immer mehr auf Sturms Franco Foda konzentrieren, fiel auch schon der Name Kühbauer. Das mag ihn freuen, aber "ich will täglich auf dem Platz stehen. Das beschäftigt mich also genau keine Sekunde". Es staut nur ein wenig den Redefluss.(Sigi Lützow, DER STANDARD Printausgabe, 12. September 2011)