Schwarz-Viechtbauer: "Wir wollen keine abgeschirmten Enklave-Schulen. Wir wünschen uns mehr Öffnung und mehr Austausch mit der Stadt."

Foto: ÖISS

STANDARD: Kombination von Schule und Privatwirtschaft? Wie stehen Sie dazu?

Schwarz: Ich denke, da kommt es im Detail darauf an, wie man so ein Modell umsetzt. Ich persönlich lehne die Kombination nicht ab, aber sie muss für beide Seiten von Vorteil sein. Prinzipiell befürworte ich jede Art der Symbiose mit der Schulumgebung. Wir wollen ja keine abgeschirmten Enklave-Schulen. Wir wünschen uns mehr Öffnung und mehr Austausch mit der Stadt. Nur so können wir den Sozialaustausch mit dem Umfeld ermöglichen.

STANDARD: Wird es noch mehr EKZ-Schulen dieser Art geben?

Schwarz: Das Gymnasium in Innsbruck ist zurzeit ein Einzelfall. Ich sehe daher kein Signal für die Zukunft des Schulbaus in Österreich. Wenn es sich allerdings als erfolgreich erweist, kann es Vorbildwirkung haben - hoffentlich auch in Hinblick auf die engagierte Aneignung des Raumes durch die Pädagogik.

STANDARD: Sind unsere Schulen für neue pädagogische Konzepte generell geeignet?

Schwarz: Bei Neubauten kann man sehr leicht auf neue Schultypen wie etwa Mittelschule, Ganztagsschule und Bildungscampus sowie auf neue pädagogische Konzepte reagieren. Aber natürlich nimmt der Neubau in Österreich nur einen geringen Anteil ein. Quantitativ ist der Umbau des Bestandes allerdings viel wichtiger.

STANDARD: Doch auch im Bereich der Neubauten gibt es bisher nur vereinzelte Pilotprojekte. Warum?

Schwarz: Es gibt in Österreich viele verschiedene Verantwortungs- und Entscheidungsträger auf Bundes-, Landes und Gemeindeebene mit unterschiedlichen Richtlinien und Gesetzen. Die Umsetzung pädagogischer Konzepte kann daher nicht generell verordnet werden. Eine gute Möglichkeit, sich dem Thema anzunähern, ist der Bau von Pilotprojekten. Die Vorbildwirkung ist nicht zu unterschätzen! Auf Basis dieser Erkenntnisse können wir die neuen Typologien in den Schulbaurichtlinien verankern.

STANDARD: In der Praxis wird die Standardklasse mit 63 Quadratmetern aber immer noch gebaut.

Schwarz: Fest steht: Im Bildungscampus am Hauptbahnhof gibt es diese Standardklasse nicht mehr. Da sind die Bildungsräume größer und völlig anders strukturiert. Jetzt steht die Stadt Wien vor der Frage: Führen wir dieses Prinzip fort oder nicht? Ob wir uns von den 63 Quadratmetern wirklich verabschieden können, hängt von den Verantwortungsträgern ab. (Wojciech Czaja, STANDARD-Printausgabe, 12.9.2011)