Jeremy Irons.

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"Verhasst macht einen Menschen nicht, was ihm geschenkt wird, sondern was er sich nimmt", lautet ein Zitat von Niccolò Machiavelli. Und Rodrigo Borgia wird von ganz Rom gehasst, denn er hat durch Bestechung das Papstamt an sich gerissen. Als Alexander VI. muss er zuerst einmal inmitten der attentatsgeneigten Kardinäle überleben, um die Macht des spanischen Adelsgeschlechts der Borgias in Italien zu vergrößern. Seine stärkste Waffe: Cesare, sein Sohn.

"Die Borgias", das neueste Produkt historisch begründeter Serienunterhaltung aus den USA, das Sonntagabend auf ATV anlief, lässt Jeremy Irons einen macht- und geldbesessenen Intrigantenstadl anführen. Und um dem Fernsehvolk den Zugang zum Übel der Geschichte zu erleichtern, ist Cesare Borgia, der Mann, der bei Historikern nicht nur im Ruf eines erfolgreichen Feldherrn, sondern auch eines politisch motivierten Serienmörders steht, ein Sympathieträger.

Cesare Borgia war das Vorbild für Machiavellis Fürst. Es hat einen gewissen Witz, dass Machiavellis frühe politische Philosophie, die dem erfolgreichen Herrscher die Fähigkeit zu bösem, im Zweifelsfall grausamem Handeln abverlangt, sich quasi zufällig in der Serie wiederfindet. Gedrängt in die Schablone einer Gut-Böse-Zeichnung der Geschichtssoap darf der Fürst wieder der Held sein. "Der Zweck heiligt die Mittel." - Zumindest diese Handlungsanleitung Macchiavellis blieb als realpolitische Grundkonstante auch nach den Borgias und Medicis bestehen. Nicht gefundene "Massenvernichtungswaffen" als Anlass für den Irakkrieg mögen dafür als eindrucksvolles Beispiel dienen, dessen man dieser Tage auch gedenken kann. (Alois Pumhösel/DER STANDARD; Printausgabe, 12.9.2011)