"Schiacher Spot, alter Freund, you will be missed"

Foto: Ikea

Guten Tag, zum Auftakt ein Outing. Ich verschenkte im Laufe meiner Beziehungskarriere bereits drei Couchen. Zwei davon sehr schön, eine davon so teuer, dass es mir im Nachhinein die Tränen in die Augen treibt, ob der hysterischen, unnötigen und völlig übereilten Möbelweglegung. Und zwar nach den jeweiligen Beziehungsenden wahllos an die, die sie haben wollten. Nur um den Exorzismus tatkräftig, sichtbar und an den Arschbacken spürbar zu betreiben. Weil, wer weiß, was da noch für Gesprächsfetzen und Körpersäfte drinnen steckten? Also weg damit. Dasselbe galt für Schmuckpräsente.

Das erklärt meine aktuelle Armut, trotz prinzipiell zufriedenstellender Geschenkebilanz. Gloria Vanderbilt war da gescheiter, denke ich. Ich vermute, diejenigen in meinem Freundeskreis, die eine Trennung von mir abzusehen vermeinten, machten geheime Inventarlisten, die sich gegenseitig zufaxten. Nein, ich bin sicher, das war so.

Doch egal, ob man in Bezug auf Besitz so fatalistisch mit Umbrüchen umgeht oder nicht, es bleiben da so dezente Beobachter, die einen immer begleitet haben. Durch den dicken und den dünnen, den kurzen und den langen Lover. Die einem aber nie so richtig aufgefallen waren, weil nicht gewichtig genug, wie eine Couch oder teuer genug, wie Schmuck.

Zum Beispiel dieser eine IKEA - Spot, so einen, den man nur schnell ans Bettende klemmt. Der, den man im Vorbeigehen damals für die allererste Wohnung gekauft hat, noch zu einem Schillingpreis, klar. Als Interimsleselampe verwendete, vermeintlich so lange, bis man die stylische, die man sich für das Schlafzimmer so vorstellt, einmal gefunden hat. Was man nie tat und so blieb völlig unbeachtet der hässliche Spot Schlafzimmerbegleiter in so vielen Wohnungen über so viele Nächte.
Gestern versetzte er mir einen Stromschlag, wohl um endlich meine Aufmerksamkeit zu erhaschen. Immerhin war er das Konstanteste in meinem Erwachsenenleben. Und ich hab‘s nicht bemerkt. Dann machte es "kracks" und er war hin. Der Spot, der fast alles und fast alle in meinem Liebesleben beleuchtet hat, ist hinüber. Was bedeutet das? Schlechtes Omen oder gutes? Ein neuer Change? Reicht es überhaupt und ich muss meine sexuelle Orientierung ändern? Oder mehr Leute ins Bett einladen? 

Naja, es bedeutet wohl eine neue Lampe, vielleicht sogar eine ansehnliche. Trotzdem, schiacher Spot, alter Freund, you will be missed. (derStandard.at,12.09.2011)