Die "Françafrique", das postkoloniale Beziehungsgeflecht zwischen Paris und einem Dutzend afrikanischer Metropolen, macht wieder einmal Schlagzeilen. Ein "Kofferträger" behauptet, Millionen an den französischen Präsidenten Jacques Chirac und dessen Premier Dominique de Villepin überbracht zu haben. Die Details sind neu, das Prinzip aber bekannt: Solche Deals rundeten wohl jahrelang die diplomatische wie militärische Unterstützung Frankreichs für wenige salonfähige Despoten wie Mobutu, Bongo oder Sassou Nguesso ab.

Mit Robert Bourgi outet sich ein zentraler Schattenmann. Er gibt Einblick in die innersten Mechanismen dieser unsäglichen "Frankfrika" . In Paris, wo bald Präsidentschaftswahlen anstehen, liegt das Augenmerk aber anderswo, nämlich auf der Rivalität zwischen dem Gaullistenpaar Chirac-Villepin und dem aktuellen Präsidenten Nicolas Sarkozy, für den Bourgi heute tätig ist. Die Frage liegt auf der Hand: Wollte Sarkozy via Bourgi seinen internen Rivalen Villepin anschwärzen?

Bourgi vermag jedenfalls nicht zu sagen, warum die Kofferpraxis unter Pompidou, Giscard d'Estaing, Mitterrand und Chirac üblich gewesen, beim amtierenden Staatschef Sarkozy aber abrupt aufgehört haben soll. Schon in den Achtzigerjahren, also zu Zeiten Mitterrands, hatte es geheißen, Affären wie Giscards Afrika-Diamanten gehörten der Vergangenheit an. Wer's glaubt. (DER STANDARD, Printausgabe, 13.9.2011)