Erstmals versucht der Hersteller von Sicherheits-Software Norton in seinem jährlichen Bericht zu Cybercrime auch dessen weltweite Kosten abzuschätzen: Auf 114 Milliarden Dollar (83,5 Mrd. Euro) an direkten materiellen Schäden (betrügerische Zahlungen, gestohlene Kreditkarten, gephishte Bankzugänge etc.) kommen die Studienautoren aufgrund ihrer Befragung von rund 20.000 Personen in 24 Ländern. Zum Vergleich: Die UN beziffert den globalen Schwarzmarkt für Marihuana, Kokain und Heroin auf 288 Mrd. Dollar.

Zeitaufwand

Viel größer sei der Schaden, würde man auch den Zeitaufwand für die Wiederherstellung korrumpierter PCs, verlorener Daten und Ähnliches berücksichtigen, sagt der Norton-Virenforscher Candid Wüest. Die indirekten Kosten von Online-Kriminalität beziffert Norton mit 247 Mrd. Dollar. Täglich würden weltweit eine Million Menschen zu Opfern werden. Allerdings verwendet Norton in seiner Studie einen sehr weit gefassten Kriminalitätsbegriff und rechnet auch Cyberbullying und sexuelle Online-Belästigung in seine Statistik. Die häufigste Form der Onlinekriminalität sind mit 54 Prozent aller Fälle Computerviren und andere Schädlinge.

Android-Apps

Die jüngste Entwicklung betrifft vor allem Android-Handys, sagt Wüest: Da Apps für diese Plattform keiner Kontrolle unterliegen, wäre es einfach, Schädlinge einzuschleusen. Die häufigste Form der Schädigung: Eine App sorgt dafür, dass das Handy im Hintergrund SMS an teuere Mehrwertdienste verschickt oder das Adressbuch auf einen Server geladen und für Spam missbraucht wird. Norton bietet inzwischen auch dafür Schutzsoftware. (spu/DER STANDARD Printausgabe, 13. September 2011)