Freuen sich über den Westbus: Stefan Wehinger, Geschäftsführer der Westbahn, Paul und Thomas Blaguss, Geschäftsführer der Blaguss Reisen GmbH und Hans-Peter Haselsteiner, Miteigentümer und Aufsichtsrat der Westbahn-Mutter RAIL Holding AG.

Foto: Rail Holding AG

Wien - Die ÖBB machten es zaghaft vor. Jetzt zieht die private Westbahn nach und etabliert ein Zubringersystem zu ihrer Strecke Wien-Linz-Salzburg. Gemeinsam mit dem Reiseunternehmen Blaguss will man pünktlich zum Start der Zugverbindung am 11. Dezember dieses Jahres die ersten Passagiere zum Zug bringen. Die gemeinsam gegründete Tochterfirma, an der das Familienunternehmen Blaguss 51 Prozent hält, bedient mit ihren Bussen beispielsweise jeweils zwei Mal täglich Graz-St. Michael-Linz oder Klagenfurt-Villach-Salzburg. Sogar vier Mal täglich wird die Strecke Salzburg-München Flughafen gefahren. Die Preise betragen je nach Streckenlänge 19 oder 29 Euro.

Mit dem Zubringersystem will man den „Bahnmarkt vorbereiten", so Westbahn-Geschäftsführer Stefan Wehinger. Man wolle nicht auf alle Zeiten diese Busverbindungen halten. Solange aber Strecken wie Klagenfurt-Wien oder Graz-Linz nicht neu ausgeschrieben werden, mache es betriebswirtschaftlich keinen Sinn, gegen den subventionierten Ex-Monopolisten ÖBB anzutreten. Das wäre ein „Selbstmord auf Raten".

Beim Einstieg der französischen Staatsbahn SNCF habe man das „endgültige Closing" durchgeführt, so Hans-Peter Haselsteiner, Miteigentümer und Aufsichtsrat der Westbahn-Mutter RAIL Holding AG. Fürchten tut er sich von der schieren Größe der Société Nationale des Chemins de fer français nicht. „Wir wollen die Mehrheit an der Westbahn verteidigen und halten", so Haselsteiner. Das schließe eine zukünftige Kapitalerhöhung mit ein. Momentan halten Haselsteiner und Wehinger 52 Prozent am Privatzug, die französischen Staatsbahnen kommen auf 26 Prozent. Den Rest halten Schweizer Investoren.

Haselsteiner sieht kein Problem im Kirschen-Pflücken

Kurz vor dem Ziel freut man sich jedenfalls auf den Start jenes Projektes, vor dem sich die ÖBB ein wenig fürchten. Schließlich ist der Ex-Monopolist mit seiner über 100-jährigen Geschichte keine Konkurrenz abseits des Autos gewöhnt. Den ÖBB und auch Verkehrsministerin Doris Bures (SPÖ) streut Haselsteiner jedenfalls Rosen. Das Ministerium handele korrekt, der Trassenkonflikt mit den Bundesbahnen sei beigelegt. Zudem begreife Generaldirektor Christian Kern die private Konkurrenz zunehmend als Chance, Verbesserungen im eigenen Haus durchsetzen zu können.

Auf die gestern vom SPÖ-Nationalratsabgeordneten Johann Maier geäußerte Kritik, die Privaten würden sich nur "die Zuckerln herauspicken" und auf profitablen Strecken fahren, reagiert Haselsteiner mit Unverständnis: „Wir haben uns gedacht, besser ein österreichisches Unternehmen pflückt diese Kirsche, als die Deutsche Bahn oder die Italiener."

Die gemeinsame WESTbus GmbH hat für ihr Bus-Zubringersystem vorerst vier Millionen Euro in zehn moderne Doppelstock-Busse mit W-LAN-Anschluss investiert. Ein Klacks gegen die Investitionen bei der Westbahn, dort stehe man momentan bei einem Investitionsvolumen von 130 Millionen Euro. Drei der sieben von der Schweizerischen Stadler Rail gefertigten Zuggarnituren seien bereits übergeben worden.

Die Ziele der Westbahn bekräftigte Wehinger abermals. Man wolle auf der Strecke Wien-Salzburg in fünf Jahren 25 Prozent Marktanteil erreichen. Einen operativen Gewinn, also ein Betrieb, der mehr abwirft als er kostet, will man spätestens dann erreicht haben.

Railjet: Ex-ÖBBler Wehinger verurteilt Hochegger "moralisch"

Angesprochen auf die Kritik an seiner Person in Sachen Railjet-Namensfindung wies Ex-ÖBB-Manager Wehinger jede Schuld von sich. „Natürlich ist die Methode von (Anm. Peter) Hochegger moralisch zu verurteilen, für die ÖBB war die Zahlung allerdings das kleinere Übel, schließlich war der Markenname schon eingeführt und bereits öffentlich bekannt", heißt es in einer Stellungnahme.

Der Hintergrund: 2004 hat eine Hochegger-Firma einen Workshop mit ÖBB-Mitarbeitern moderiert, bei dem auch nach Namen für die neuen Hochgeschwindigkeitszüge gesucht wurde. Dabei erdachte ein ÖBB-Mitarbeiter die Marke "railjet". Daraufhin meldete Hochegger diese Marke beim Markenregister an und ließ sich diese 2007 von den ÖBB um 180.000 Euro abkaufen. Wehinger als damaliger Personenverkehrs-Vorstand hat die Zahlung veranlasst, spätere konzerninterne Revisionsberichte ordneten der Zahlung "keine wirtschaftliche Begründung" zu. Der Grüne Abgeordnete Peter Pilz vermutet daher den Tatbestand der Untreue und hat eine entsprechende Anzeige gegen Wehinger eingebracht. Für Wehinger gilt die Unschuldsvermutung. (Hermann Sussitz, derStandard.at, 13.9.2011)