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Auf dem Highway ins berufliche Irgendwo treten Frauen oft auf der Stelle

Foto: APA/Nestor Bachmann

Frauen sind trotz bester Schul- und Studienabschlüsse und ausgezeichneter fachlicher Leistungen nur spärlich in den Führungsetagen vertreten. Die jungen gut ausgebildeten Frauen sind selbstbewusst und haben nach Abschluss ihrer Ausbildung auch bestimmte Erwartungen an ihr Berufsleben und ihre Karriere. Emanzipiert fühlen sie sich schon lange.

Hoffnungsvoll starten sie ihr Berufsleben. Und dann? Es läuft nicht nach Plan. Männliche Kollegen, nicht besser qualifiziert, überholen sie links und rechts auf der Karriereleiter. Auf dem Highway ins berufliche Irgendwo sind viele Frauen möglicherweise an den entscheidenden Kreuzungen weit verbreiteten weiblichen Irrtümern erlegen, haben vermeintlich bewährte Verhaltensstrategien ausgelebt und zahlen nun den Preis.

Irrtum: Sei fleißig

Das haben wir bereits in der Schule gut gelernt. Mädchen werden fürs Fleißigsein gelobt und geschätzt. Also nehmen wir dieses Verhalten auch ins Berufsleben mit. Wir erledigen kompetent und zeitgerecht unsere Aufgaben, sind zuverlässig und nehmen auch noch die Arbeit von Kollegen in Not mit.
Der Preis: Noch mehr Arbeit, die bald als selbstverständlich gewertet wird.

Irrtum: Sei lieb

Die Klügere gibt nach. Frauen, die eine Meinung haben und diese auch gegenüber anderen vertreten sind zickig und hysterisch. Grenzen setzen und Nein sagen? Ja, aber wo bleibt da die Harmonie im Team? Und ja, wir wollen doch so gern von allen gemocht werden. Und dass uns der Kollege grad wieder eine Idee geklaut hat und als seine eigene ausgibt, hat er sicher nicht böse gemeint. Der Preis: Unterordnung und braves Zuarbeiten.

Irrtum: Sei bescheiden

Selbstlob stinkt. Das kennen wir und auch dass Bescheidenheit eine (weibliche) Zier sein soll. Unsere außergewöhnliche Leistungen sind ja eigentlich eh nichts Besonderes. Ohne die Hilfe der anderen hätten wir das nie geschafft. Und ganz perfekt war es ja auch nicht. Der Preis: Die Rückenansicht von Kollegen auf der Karriereleiter, die zu ihren exzellenten Fähigkeiten stehen und diese auch in wichtigen Gesprächen selbst ins Spiel bringen

Irrtum: Hör zu

Frauen sind sehr geschätzte Gesprächspartnerinnen, in der Rolle der Zuhörerin eine beliebte Reflexionswand für jene, die etwas zu sagen haben oder wollen. So lauschen wir sozial kompetent verstehend oder noch besser bewundernd den Wortspenden unserer Gesprächspartner, nach dem Motto: „Wenn sie zuhört und er spricht, ist die Besprechung im Gleichgewicht". Der Preis: Minimale Redeanteile und ständiges Unterbrochenwerden.

Irrtum: Mache Dich von der Meinung anderer abhängig

"Kampfemanze, Mannsweib, unweiblich, Rabenmutter, karrieregeiles Luder", die Ausdrücke für Frauen, die beruflich wissen was sie wollen und es auch erreichen, sind vielfältig und wenig schmeichelhaft. So will frau natürlich nicht sein. Lieber als "richtige Frau" von den anderen geschätzt werden. Der Preis: ...und als "richtige, liebe, fleißige" Frau behandelt werden. "Geh sans doch so lieb und bringens uns an Kaffee. Mei, was tät ma denn ohne sie!"

Irrtum: Sei loyal

Es läuft nicht optimal im Job. Bei den Minimalzielen hängengeblieben. Vielleicht eine kleine Teamleitung erreicht. Lob und Anerkennung kein Thema im Unternehmen, aber viele Aufgaben ohne die entsprechenden Kompetenzen. Die Dinge mehrmals angesprochen, versucht zumindest kleine Veränderungen zu initiieren. Kein Erfolg. Warum bleiben viele Frauen dennoch? Aus Loyalität dem Unternehmen gegenüber, aus Sorge um das Team, die guten Kundenbeziehungen. Der Preis: Täglicher Ärger, zunehmende Energielosigkeit und Frust über Kollegen, die loslassen können und das Unternehmen für eine verbesserte Berufsaussicht verlassen.

Irrtum: Warte, bis Du entdeckt wirst

Wenn ich nur tüchtig genug bin und perfekte Arbeit abliefere, werden meine Vorgesetzten schon erkennen, was sie an mir haben und mich fördern. Und wenn es mit der Beförderung nicht klappt, muss ich mich eben noch mehr anstrengen, damit ich noch besser werde. Irgendwann müssen sie es doch merken. Ich bin doch immer für das Unternehmen da, geduldig, unaufdringlich und zuverlässig. Der Preis: Bitte warten! (Christine Stolz, derStandard.at, 14.9.2011)