Linienbus sucht eigene Linie: Beim Schleudertraining am Übungsplatz wird geübt, was im Alltag wohl verheerend enden würde.

Foto: Rottenberg

Wien - Nach etwa einer halben Stunde lässt Michael Schönbauer kurz die Zügel schleifen: "Ihr könnt jetzt einmal Dinge ausprobieren, die ihr immer schon mit einem Bus machen wolltet" , feixt er ins Funkgerät - schickt aber doch einen bissigen Nachsatz hinterher: "Bis auf Lenkfehler - die habt ihr alle schon gemacht." Dann bezieht der ÖAMTC-Fahrttechnikinstruktor wieder seinen Beobachterposten - und schaut seinen Schülern beim Gasgeben zu: "Ein bisserl Spaß darf es schon auch machen."

Schönbauers Schüler am Verkehrsübungsplatz in Teesdorf sind an diesem Tag Buslenker. Genauer: angehende Buslenker der Wiener Linien. Neun Männer, eine Frau. Bevor sie im Liniendienst fahren dürfen, erklärt ihr Fahrlehrer Franz Berger, gelte es, "genau jene Situationen zu üben, die dann im Alltagsverkehr hoffentlich nie eintreten" .

Regennass und glitschig

Schnelles und zu schnelles Fahren durch regennasse, glitschige Kurven etwa: "Willst du bei den Londoner Verkehrsbetrieben anheuern, weil du so weit links rauskommst?", ätzt der ÖAMTC-Instruktor - und fischt einen überrollten Verkehrshut unter dem Bus hervor. Der junge Fahrer grinst ein wenig betreten.

Geübt wird auch das Ausweichen (auf nasser Fahrbahn) und Bremsen vor abrupt auftauchenden Hindernissen: Der Zehntonner quietscht und schlingert, das ABS schnauft und röchelt, und Heck bricht aus - eine kontrollierte Vollbremsung sieht anders aus. Doch schon bei 45 km/h hat der Fahrer keine Chance gegen die Gesetze von Masse und Trägheit.

Dennoch ist Schönbauer zufrieden: "Es geht auch um den Unterschied zwischen Angst und Respekt: Hier kann man sich an Grenzen herantasten - und sie überschreiten. Denn wenn ein Bus im Linienverkehr quer daherkäme, wäre das wohl schrecklich." (Thomas Rottenberg/DER STANDARD-Printausgabe, 14.9.2011)