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Androsch will ein Gesamtpaket zur Bildungspolitik.

Foto: dapd/punz

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Die jetzigen Refomren gehen zu wenig in die Tiefe, sagt Bildungsexperte Schilcher.

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Hannes Androsch fordert Bundeskanzler Werner Faymann dazu auf, noch vor der Eintragungswoche für das Bildungsvolksbegehren einen "Bildungsgipfel" einzuberufen. Eingeladen werden sollen "sämtliche Parteien und Interessensvertretungen", so Androsch bei einer Pressekonferenz. Ein Gipfel diene dazu, die "Mittelmäßigkeit" des österreichischen Bildungssystems zu überwinden. 

"Nicht nur Rosinen rauspicken"

"Es braucht ein Gesamtpaket im gesamten Bildungsbogen", fordert der Initiator des Bildungsvolkbegehrens. Dieses Paket müsse ohne "scheinideologische Barrieren" fertiggestellt werden, und ohne, dass "Rosinen rausgepickt werden". Das Motto "Es ist eh nicht so schlecht", das in Österreich vorherrsche, würde zum Stillstand im Bildungssystem und danach zum Rückschritt führen, so Androsch.

Kritik an bisherigen Schulreformen

Bei der Pressekonferenz machten die beiden Volksbegehren-Initiatoren Androsch und Bernd Schilcher auch darauf aufmerksam, dass noch lange nicht alle Forderungen ihrer Initiative umgesetzt worden seien. "Wir freuen uns darüber, dass Unterrichtsministerin Claudia Schmied das Volksbegehren unterstützt", so Schilcher. Unwahr sei jedoch die Aussage von Schmied, dass sie selbst bereits siebzig Prozent der Forderungen umgesetzt hätte. Als Beispiele nannte er, dass es immer noch keine Reform der Schulverwaltung gäbe.

"Auch von Schulautonomie kann keine Rede sein", so Schilcher. Die Reformen in diesem Bereich, die vor kurzem umgesetzt wurden, würden nicht ausreichen, da der Proporz immer noch nicht abgeschafft worden ist. "Das ist die Karikatur einer Schulautonomie", sagt der Bildungsexperte. Auch die beschlossene Ganztagsschule sei ein "Schwindelbegriff", da die Regierung nur ganztägige Betreuung eingerichtet habe, aber keine echte Ganztagsschule, in der Unterricht auch am Nachmittag stattfinde. "Es wird nur ein bisschen etwas hergerichtet, aber wir können uns nicht für etwas tiefer Gehendes entschließen", fasst Schilcher die derzeitige Bildungspolitik zusammen. 

Potenzial ausschöpfen

Androsch und Schilcher pochten auch darauf, dass das gesamte Potenzial der österreichischen Schüler ausgeschöpft werden müsse, um auch Spitzenleistungen im Bildungsbereich zu erbringen. Dazu bräuchte es eine bessere Frühförderung, eine "echte" Ganztagsschule und eine spätere Selektion der Schüler. 

Unterstützung für Töchterle

Androsch betonte, dass er nicht explizit Unterrichtsministerin Claudia Schmied und Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle kritisiert. Vielmehr könne man ihnen die Situation nicht alleine überlassen. Das Modell für Studiengebühren, die von den Unis selbst eingehoben werden sollen, unterstützt der ehemalige Finanzminister.

Die Initiatoren des Bildungsvolksbegehrens wollen in den nächsten fünfzig Tagen, bis zur Woche, in der man das Bildungsvolksbegehren unterschreiben kann (3. November bis 10. November), die "größtmögliche Mobilisierung" schaffen. Beim Bildungsvolksbegehren gehe es darum, "ein Aufwecken der Entscheidungsträger auf breiter Basis herbeizuführen." (lis, derStandard.at, 14.9.2011)