Ursula Stenzel will immer unter die Leute gehen, meint sie im Vorfeld zum Video-Interview mit Hans Rauscher. Deshalb findet das Gespräch im Gastgarten des "Pastell" mit Blick auf den Judenplatz statt. Es ist der vermutlich letzte Spätsommertag des Jahres 2011, an welchem Stenzel über die Probleme ihrer Partei redet.

"Tiefer kann man in der Wählergunst ja gar nicht mehr fallen", gibt sie sich ob der Umfragewerte zerknirscht und fordert gleichzeitig mit kämpferischem Ton und ebensolcher Gestik eine inhaltliche Neupositionierung. "Die Leute lechzen nach einer urbanen bürgerlichen Partei", meint sie und drängt auf schwarze Reformen.

Die Wiener ÖVP will sie nicht neu gründen, wie das einst Busek gefordert hatte und kolportiert wurde, aber sie will eine inhaltliche Neupositionierung, bevor man über das Personal spricht. Die ÖVP müsse sich dazu aus der "Geiselhaft der Bünde" befreien. Zwischen den Roten, die "kommunistische Versatzstücke wie Umverteilung und Vermögenssteuer hervor holt", und den Grünen, die sich "nur um Radfahrer kümmern", ortet sie ein großes Themenspektrum für die Konservativen.

Stenzel spricht sich im Interview klar gegen eine Ausgrenzung der FPÖ aus und bezeichnet eine solche als "demokratiepolitisches Harakiri". Den Abgang von Wolfgang Schüssel bedauert sie sehr. (rasch, derStandard.at, 14.9.2011)