Wien - Der Chef der Wiener Städtischen Versicherung, Robert Lasshofer, bestätigte am Mittwoch Gespräche mit dem Bund, die geförderte Zukunftsvorsorge "auch auf den Pflegebereich auszudehnen". In einer von der Städtischen im Auftrag gegebenen Umfrage wäre die Hälfte der Bevölkerung bereit, eine Pflegeversicherung mit staatlicher Unterstützung abzuschließen. Derzeit gibt es in Österreich 440.000 Pflegegeldbezieher, bis 2030 sollen es 623.000 sein. In den vergangenen zehn Jahren stieg der Pflegeaufwand von Bund und Ländern um 43 Prozent.

Eine private Pflegeversicherung sei derzeit die einzige Variante um den Zugriff auf Privatvermögen der Angehörigen zu verhindern, so Lasshofer. Peter Kranz, Chef der Krankenversicherung, geht davon aus, dass ähnlich wie in der Steiermark auch andere Bundesländer dazu übergehen werden, bei Unterdeckung, Regressforderungen direkt von den Angehörigen zu verlangen. Das ist dann der Fall, wenn die Pension und das Pflegegeld für die Pflege nicht mehr ausreichen. Ein Beispiel: Die Durchschnittspension liegt in Österreich bei 1000 Euro brutto (950 netto). Die Mindestkosten für eine 24-Stunden-Pflege in einem öffentlichen Pflegeplatz betragen rund 2500 Euro. Bei Pflegestufe fünf bekommt der Betroffene rund 900 Euro in Monat.

Die Lücke von 650 Euro wird je nach Bundesland entweder direkt bei den Angehörigen eingehoben (Steiermark, das Burgenland überlegt noch) oder wie in Wien von einem Fonds bezahlt, der sich später das noch fehlende Geld aus der Verlassenschaft holt. Ein Regress ist in Wien nicht geplant. (cr, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.9.2011)