Bild nicht mehr verfügbar.

Foto: APA/dpa

London/Wien - Neben dem Menschen gibt es wenige Tiere, die sich für einige Zeit zurückhalten können, um in der Zukunft Belohnungen dafür zu erhalten. Bei den Primaten sind nur Menschenaffen - also Schimpansen, Gorillas und Orang-Utans - zu diesem Verhalten fähig. Nun zeigt eine neue Studie unter Beteiligung österreichischer Verhaltensbiologen und Rabenvögel, dass auch Letztere in eingeschränktem Maß dazu fähig sind.

Für ihre Experimente, die im Fachblatt "Biology Letters der Royal Society" veröffentlicht wurden, arbeiteten die Forscher um Valerie Dufour (Universität Straßburg) mit sechs Rabenkrähen und vier Raben aus der Konrad-Lorenz-Forschungsstelle in Grünau im Almtal und zwei weiteren Raben aus dem Zoo in Edinburgh. Diesen brachten sie zunächst das Tauschen bei. Später stellten sie die Tiere vor die Wahl: entweder schlechtes Futter sofort oder gutes Futter nach einer Wartezeit.

Die größte Geduld besaßen zwei Krähen. Sie warteten über fünf Minuten lang auf ihre Belohnung, ohne das minderwertige Futterstück anzurühren. Damit waren sie jedoch die Ausnahme. Generell nahm die Tauschbereitschaft der Vögel mit zunehmender Wartezeit ab. Schon bei einer Wartezeit von mehr als 40 Sekunden kam es in weniger als der Hälfte der Tests zum erfolgreichen Tausch, berichten die Forscher.

Dennoch sieht das Team um Valerie Dufour in den Ergebnissen einen Durchbruch. Diese zeigten, dass Rabenvögel ihr unmittelbares Verlangen nach Nahrung kontrollieren könnten, um in naher Zukunft noch besseres Futter zu bekommen. Und Geduld zu haben wird oft als geistige Leistung gewertet. Die österreichische Ko-Autorin Claudia Wascher bezweifelt allerdings, dass das Warten auf besseres Futter eine Frage der Intelligenz sei. Sie glaubt vielmehr, dass das viel mit der Persönlichkeit der einzelnen Vogelindividuen zu tun hat. (tasch, APA/DER STANDARD, Printausgabe, 15. 9. 2011)