Zürich - Ein milliardenschwerer Handelsskandal erschüttert die Schweizer Großbank UBS. Ein Mitarbeiter des Investmentbankings in London brockte der größten Schweizer Bank einen Verlust im Wertpapierhandel von zwei Milliarden Dollar (1,45 Mrd. Euro) ein, wie die UBS am Donnerstag mitteilte. Das Geldhaus kann nicht ausschließen, dass es deswegen im dritten Quartal in die roten Zahlen rutscht.

Die UBS-Geschäftsleitung betonte in einem Reuters vorliegenden internen Memo aber, die fundamentale Stärke des Finanzkonzerns werde durch den Verlust nicht beeinträchtigt. Auch Bankanalysten sahen das so: Die Bank sei stark genug, um den Verlust zu verdauen. Die UBS-Aktie verlor fast neun Prozent und sank auf unter zehn Franken (8,29 Euro). Die Titel des Lokalrivalen Credit Suisse legten dagegen drei Prozent zu. Kunden seien keine zu Schaden gekommen, betonte UBS.

Die Londoner Polizei verhaftete UBS zufolge unterdessen einen 31 Jahre alten Mitarbeiter der Bank wegen Betrugsverdacht. Der Mann habe kriminelle Energie an den Tag gelegt, sagte eine Sprecherin der Bank. In welchem Bereich der Investmentbank und in welcher Position der Mann tätig war, wollte die UBS zunächst nicht erläutern.

Aus der "Linkedin"-Internetseite des Mannes, einer vor allem in Großbritannien beliebten Plattform zum Knüpfen von beruflichen Kontakten, geht hervor, dass er für Exchange Traded Funds (ETFs) zuständig war.

Der Spekulationsfall erinnert an die französische Großbank Societe Generale, die vom Wertpapierhändler Jerome Kerviel mit illegalen Geschäften Anfang 2008 an den Rand des Zusammenbruchs gebracht worden war.

Imageverlust groß

Jenseits der finanziellen Folgen schadet die Affäre nach Ansicht von Analysten vor allem dem Ruf der Bank, die sich eben erst von den Folgen der Finanzkrise und dem Steuerstreit mit den USA erholt hat. Reiche Kunden, die damals das Vertrauen in die Bank verloren und in Scharen die Flucht ergriffen hatten, begannen eben wieder zurückzukehren.

Konzernchef Oswald Grübel war mit dem erklärten Ziel angetreten, Vertrauen zurückzugewinnen. "Auch wenn die Summe nicht so hoch ist, das ist einmal mehr ein Vertrauensverlust und wirft ein sehr schlechtes Licht auf die UBS", sagte Trading Analyst Claude Zehnder von der Zürcher Kantonalbank. Grübel habe die Bank nach der Finanzkrise gerettet und seinen Job weitgehend erledigt, sagte Helvea-Bankenanalyst Peter Thorne. Nun komme Carsten Kengeter, der Chef der Investmentbank-Sparte, wohl mehr unter Beschuss.

Pikant dabei: Der Verlust durch die "nicht autorisierten" Geschäfte des Mannes, wie die UBS sie bezeichnete, entspricht genau den zwei Milliarden Dollar, die die Bank unter anderem durch Arbeitsplatzabbau in der Investmentsparte einsparen wollte. Nach einem Gewinneinbruch im zweiten Quartal will die UBS etwa 3.500 Stellen streichen. Durch den Verlust ist der Spareffekt nun erst einmal gleich null.

Spartenchef Kengeter hatte das Investmentbanking nach den Milliardenverlusten mit US-amerikanischen Ramschhypotheken umgekrempelt und Hunderte von Händlern neu in die Bank geholt. Die Sparte beschäftigt heute knapp 18.000 Mitarbeiter überwiegend in London und den USA. Ob Kengeter bleiben könne oder nicht - auf jeden Fall würden Köpfe rollen, sagte ein Analyst, der nicht genannt werden wollte.

Obwohl noch nicht klar war, wie der mutmaßliche Betrüger im Einzelnen vorgegangen ist, zeigt der Skandal nach Ansicht des Londoner Wissenschaftlers Chris Roebuck, dass alle Risiko-Systeme nicht verhindern können, dass ein Einzelner - gerade im Investmentbanking - das System aushebeln kann, wenn er es darauf anlegt. Ob das UBS-Risikomanagement Lücken hatte, ist derzeit noch nicht klar. Die Schweizer Bankenaufsicht FINMA erklärte, sie sei über den Milliardenverlust umgehend informiert worden. "Wir haben Kenntnis von dem Fall", sagte ein Sprecher. (APA/Reuters/sos, derStandard.at, 15.9.2011)