Wien - Jetzt wird die Sache etwas schräg. Der Präsident der Wirtschaftskammer (WKÖ), Christoph Leitl, klagt den steirischen Holzkonzern Mayr-Melnhof auf Honorarzahlungen für ein Russlandgeschäft - der Standard berichtete - in der Höhe von rund 7,2 Mio. Euro. Leitl tritt zwar als Kläger auf, will mit der Sache aber nichts zu tun haben und argumentiert sinngemäß, er mache die Klage sozusagen nur als "Good Will" für Firmenpartner Alexander Maculan, seinem 50-Prozent Partner in der Maculan Holding. Dass Leitl als Kläger auftrete habe den Grund, "dass Maculan der (angeheiratete) Onkel von Franz Mayr-Melnhof ist und Maculan wegen dieses Verwandtschaftsverhältnisses darum gebeten hat, dass sein Firmenpartner Leitl die Klage einbringt", ließ Maculan jetzt ausrichten.

Maculan habe für die Betriebsansiedlung Mayr-Melnhofs in Russland essenzielle Vorarbeit geleistet, dies werde vom Gericht auch anerkannt. "Wir sind ja bereit, wirkliche Leistungen zu bezahlen", argumentiert Mayr-Melnhof-Vorstandschef Michael Spallart, "aber nicht in dieser schwindelerregenden Höhe".

So ganz danebengestanden ist Leitl, dessen Rücktritt die FPÖ fordert, beim Projekt aber nicht. Vor Gericht gab er an, während eines offiziellen Termins einer Wirtschaftsdelegation Gespräche mit dem russischen Partner geführt zu haben. "Ich habe dabei zu ihm ein Vertrauensverhältnis aufgebaut", heißt es dort. Empfänger des Honorars ist Maculan oder die Holding, an der auch Leitl beteiligt ist. (Walter Müller, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 16.9.2011)