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Foto: Reuters/Reka

Am Freitag wollen die kosovarischen Behörden die Kontrolle der beiden Grenzübergänge zu Serbien im Norden des Kosovo übernehmen. Die kosovarischen Serben und Belgrad wollen dagegen ankämpfen.

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Vom 16. September spricht man in Belgrad wie von einem D-Day, dem Schicksalstag für die Existenz des serbischen Volkes im Kosovo, des Kampfes Serbiens für seine territoriale Integrität. Denn für heute, Freitag, kündigte die Regierung in Prishtina an, auch kosovo-albanische Polizisten und Zöllner an die Grenzübergänge Jarinje und Brnjak im größtenteils von Serben bewohnten Norden zu entsenden. Sie sollen von der EU-Mission Eulex und der Nato-Truppe Kfor unterstützt werden.

Die serbische Diplomatie schlägt Alarm, dass diese "einseitige Gewaltanwendung" Exzesse auslösen könnte. Verantwortlich für eventuelle Opfer wären dann in erster Linie diejenigen, die das Mandat dazu haben, Prishtina aufzuhalten, und das seien die EU und die Nato, sagt Außenminister Vuk Jeremić.

Mit dem Frieden spielen

Präsident Boris Tadić erklärte, dass er "all die Vertreter der internationalen Gemeinschaft nicht verstehe, die mit dem Frieden und menschlichem Leben spielen" , dass Serbien alles tun werde, um die Umsetzung dieser "unverantwortlichen, gefährlichen" Entscheidungen aufzuhalten. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte bei ihrem Besuch in Belgrad vor zwei Wochen deutlich gesagt, dass Serbien die Parallelstrukturen im Kosovo auflösen müsse, wenn es den EU-Kandidatenstatus bis Jahresende bekommen wolle. Auf Wunsch Serbiens berief Russland am Donnerstag eine Sitzung des UN-Sicherheitsrats zum Kosovo ein.

Die harten Sprüche in Belgrad ermuntern die Kosovo-Serben zum Widerstand. Die Serben in der Enklave um Mitrovica kündigen Widerstand, Proteste und Barrikaden an. Sie schütteten Kies auf und sperrten die Brücke, die den serbischen mit dem albanischen Teil verbindet.

Innenminister und Vizepremier Ivica Dacić sagte, Serbien könne als Gegenmaßnahme "alle Übergänge zum Kosovo sperren, alle alternativen Umwege hermetisch verschließen" . In Belgrad will man die plausible Sichtweise jener Ländern die den Kosovo anerkannt haben, nicht verstehen: dass ein unabhängiger Staat seine Grenzen und den Zoll kontrollieren und Parallelstrukturen einer Minderheit abschaffen will.

Kosovo-Premier Hashim Thaçi meinte, Belgrad habe im Kosovo gar nichts zu sagen, seine Regierung werde, wie mit Eulex und Kfor vereinbart, am Freitag die Grenzübergänge unter die Kontrolle der kosovarischen Behörden stellen. Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen besuchte am Donnerstag Prishtina. Für die Nato stellt sich die heikle Frage, ob sie Gewalt anwenden soll, falls die Serben im Kosovo wieder Barrikaden errichten. (Andrej Ivanji aus Belgrad/DER STANDARD, Printausgabe, 16.9.2011)