Kathrin Zechner (in Weiß) zeigt gleich nach ihrer Bestellung zur TV-Direktorin des ORF am Donnerstag, wie sie auf dem Küniglberg "loslegen" will. Zechner will sich auch in der TV-Information "einmischen". Ihre "irrsinnige Lust, Gas zu geben" im ORF gilt vor allem österreichischem Film, Serien und Dokumentationen, sagte sie nach der Wahl.

Kurt Rammerstorfer, der neue Landesdirektor in Linz, zeigt gleich hinter Zechner, wie ernst er ihre Tempovorgabe nimmt. Michael Götzhaber indes lächelt neben Zechner über seine Bestellung zum Technikdirektor. Dass Betriebsrat Götzhaber gerade noch als Stiftungsrat Alexander Wrabetz zum General mitwählte und nun Direktor wird, kostete das Direktorenteam die einstimmige Wahl im Stiftungsrat. Die weiteren Direktoren im Bild (von links): Norbert Gollinger (Niederösterreich), Karin Bernhard (Kärnten), Markus Klement (Vorarlberg), hinten Gerhard Draxler (Steiermark) und Karlheinz Papst (Burgenland) sowie Roland Brunhofer (Salzburg).

 

Foto: STANDARD/Cremer

Wien - "Bitte, wann können wir loslegen?", fragt Kathrin Zechner gleich nach ihrer Bestellung. Erst muss sie sich mit zwei Premieren von den Vereinigten Bühnen verabschieden, 2012 kehrt sie offiziell in den ORF zurück.

Die TV-Direkorin ist auch für Information zuständig. Will sie sich da täglich einmischen? "Ich will mich überall einmischen im Sinne von einbringen", sagt sie (Interview rechts). Mehr österreichische Serien, Filme, Dokus kündigt sie an. Ihre Definition öffentlich-rechtlichen Programms liefert sie ungefragt: "Qualität braucht Quote, Quotenprogramme brauchen Qualität." So klingt es seit Gerhard Zeiler, der Zechner 1994 als Direktorin holte und den Zechner 2012 wieder als ORF-Generaldirektor sehen wollte. Nun ließ sie sich vom verlängerten General Alexander Wrabetz ins Team holen zu Richard Grasl (Finanzen), Karl Amon (Radio), Michael Götzhaber (Technik).

Politdruck und Betriebsrat

Götzhaber dankte gleich nach Bestellung mit Neutralität in der Frage des künftigen ORF-Standorts. Das Gros der Betriebsräte, wie er es bis vor Tagen war, ist gegen Übersiedlung. Wrabetz will in der Entscheidung zwischen Küniglberg, Funkhaus und St. Marx "alle" - da korrigiert er: "die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mitnehmen". Bis Dezember wird diese Frage ernst. Der Stiftungsrat richtete Donnerstag eine Arbeitsgruppe mit Betriebsräten ein.

Götzhaber vereitelte die einstimmige Wahl des "Traumteams" (Wrabetz): Der unabhängige Regierungsstiftungsrat Alexander Hartig enthielt sich wegen Götzhabers Umstieg vom Betriebs- und Stiftungsrat zum Direktor. Götzhaber findet nicht unvereinbar, Wrabetz zu wählen und sich von ihm zum Direktor vorschlagen zu lassen. Bei den Landesdirektoren enthielten sich vier Stiftungsräte.

Vorsitzende Brigitte Kulovits-Rupp, der Interesse an der ORF-Direktion Burgenland nachgesagt wurde, stimmte nicht mit ihrer roten Fraktion. Der Grüne Stiftungsrat Wilfried Embacher hatte "Bauchweh" wegen Helmut Krieghofer (Tirol) und Markus Klement (Vorarlberg). Bei Moderator Klement vermisst er Führungserfahrung. Auf den bestand Landesstiftungsrat Edelbert Meusburger, der dem STANDARD erklärte, über den ORF-Landesdirektor entscheide faktisch der Landeshauptmann.

Weil Stiftungsräte "sich öffentlich zur Missachtung des Gesetzes bekannten", lässt der ORF-Redakteursrat nun "rechtliche Schritte prüfen". Wie Zentralbetriebsratschef Gerhard Moser fordern die Redakteure, das Anhörungsrecht der Landeshauptleute bei den Landesdirektoren zu streichen.

Auch Moser und Betriebsrätin Christiana Jankovics enthielten sich bei den Landesdirektoren: Moser verwies auf die Erklärung von Kärntens Landeshauptmann Gerhard Dörfler, er habe sich mit Wrabetz auf Landesdirektorin Karin Bernhard "geeinigt" und auf die Bestellung des Ex-VP-Managers Krieghofer. (fid/DER STANDARD; Printausgabe, 16.9.2011)