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Rebellen beschießen Gaddafis Heimatstadt Sirte mit einer 130-Millimeter-Haubitze

Foto: Reuters/Asmaa Waguih

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"Allahu Akbar": Rebellenkämpfer vor Bani Walid.

Foto: REUTERS/Zohra Bensemra

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Großer Empfang für Erdogan in Tripolis.

Foto: EPA/MOHAMED MESSARA

Tripolis - Truppen der libyschen Übergangsregierung haben nach schwerem Kampf eine der letzten Gaddafi-Hochburgen angegriffen. Den ganzen Tag waren in der zwei Wochen lang von den Rebellen belagerten Wüstenstadt Bani Walid Explosionen und Schüsse zu hören. Rund um das Stadtzentrum gingen Hunderte Anhänger des langjährigen Machthabers Muammar Gaddafi in Stellung, die zu allem entschlossen schienen. Der Fernsehsender Al-Jazeera meldete, auch der Vormarsch auf Gaddafis Geburtsort Sirte gehe weiter. Der türkische Ministerpräsident Tayyip Erdogan traf am Freitag zu einem Besuch in Tripolis ein.

Die Truppen der Übergangsregierung nahmen am Vormittag ein Tal ein, das direkt in die Innenstadt von Bani Walid führt. "Der Weg ins Zentrum ist frei", sagte ein Kämpfer. Mit dem Schlachtruf "Nach Bani Walid" machten sich Kämpfer mit Kleinlastern auf den Weg in die Wüstenstadt. "Bani Walid wird heute befreit", sagte ein Kämpfer, dessen Gewehr aus dem Fenster seines Autos ragte. Laut eigenen Angaben stehen die Rebellen eineinhalb Kilometer vom Stadtzentrum entfernt.

Am Donnerstag hatten Einheiten der Übergangsregierung auch die Heimatstadt Gaddafis angegriffen. Mohammed Ibrahim, ein Militärsprecher der neuen Machthaber in der Stadt Misrata, sagte am Freitag, die "Revolutionäre" hätten in der Nacht Sirte in kleinen Gruppen von Süden, von Westen und mit kleinen Booten vom Meer aus angegriffen. Besonders erbitterter Widerstand sei ihnen aus dem südlichen Vorort Kasr Abu Hadi entgegengeschlagen. Die Angriffe in Sirte würden mit der NATO koordiniert. Die Stadt werde immer noch von Gaddafi-Truppen kontrolliert. Einwohner von Sirte sagten, sie hätten in der Nacht heftige Gefechte beobachtet. Gaddafi wird in Sirte, Bani Walid oder Sebha vermutet.

Afrikaner dürfen nicht ausreisen

In der südlibyschen Stadt Sabha sitzen 3.000 Schwarzafrikaner fest. Der Übergangsrat besteht darauf, sie müssten einzeln zu überprüfen, gab ein Sprecher der Internationalen Arbeitsorganisation (IOM) bekannt. Die Evakuierung könne erst weitergehen, wenn feststehe, dass sie sich nicht an Kampfhandlungen beteiligt haben.

Die Flüchtlinge, die hauptsächlich aus dem Tschad, Niger, Somalia, Eritrea und Nigeria stammen, haben großteils keine Papiere. zu  der Gruppe gehören auch Frauen und Kinder. In den vergangenen Monaten ist es immer wieder zu Übergriffen gegen Schwarzafrikaner gekommen, die von den Rebellen als Gaddafi-Söldner bezeichnet werden. Vor dem Krieg lebten zwischen 1,5 und 2,5 Millionen Migranten in Libyen.

Erdogan in Tripolis

Die Aufständischen in Libyen haben den Aufbau eines demokratischen Staates nach dem Muster der Türkei zu ihrem Ziel erklärt. "Wir wollen ein demokratisches, islamisches Land nach dem Vorbild der Türkei werden", sagte der Chef des Übergangsrates, Mustafa Abdul Jalil, am Freitag bei einem Treffen mit dem türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan in Tripolis. Jalil dankte der Türkei für wirtschaftliche und medizinische Hilfe während der Revolution.

Erdogan rief die verbliebenen Anhänger von Muammar al-Gaddafi auf, den Kampf aufzugeben und ein weiteres Blutvergießen zu vermeiden. Widerstand, der sich gegen den Willen eines größeren Teils des Volks reichte, habe keine Aussicht auf Erfolg, sagte Erdogan in der von Fernsehsendern übertragenen Ansprache. "Das ist ein Kampf für Freiheit und Demokratie", sagte er.

Der türkische Regierungschef sagte der politischen Führung der Aufständischen die Unterstützung seines Landes zu. Türkische Teams würden bald eintreffen, um "Hand in Hand, Seite an Seite" mit den Libyern zu arbeiten. Die türkische Botschaft in Tripolis arbeite bereits seit dem 2. September wieder. Bald werde Turkish Airlines den regulären Flugbetrieb nach Tripolis wieder aufnehmen.

Zudem betete Erdogan öffentlich bei seinem Besuch in der libyschen Hauptstadt. Augenzeugen berichteten, Erdogan habe zusammen mit Mitgliedern des Übergangsrates und einfachen Bürgern auf dem Märtyrerplatz (vormals: Grüner Platz) im Stadtzentrum der Freitagspredigt des Imams Salim al-Sheikh gelauscht. Ein libyscher Beobachter meinte, derartige Gesten kämen bei der mehrheitlich islamisch-konservativen Bevölkerung Libyens gut an. (APA/Reuters)