Zagreb - Die kroatische Regierung hat sich zu einem drastischen Schritt entschieden, um die Schulden bei den Pensionisten zu begleichen. Sie beschloss in der Regierungssitzung am Donnerstag, ihre strategische Mehrheit bei den noch gesunden staatlichen Unternehmen Croatia osiguranje (Versicherung) und Jadranski Naftovod, Janaf (Erdöltransport) aufzugeben und 29, beziehungsweise 10,7 Prozent der Aktien den Pensionsfonds zu übertragen. Somit würde der Staat noch 51,3 Prozent an Croatia osiguranje und 67,85 Prozent an Janaf halten.

Heuer wurden bereits 8,4 Milliarden Kuna (1,12 Mrd. Euro) an die etwa 141.000 Pensionisten ausbezahlt, 820 Millionen müssen noch aus der mehr als überzogenen Staatskasse beglichen werden. Der Börsenwert der Aktienpakete liegt bei 730 Millionen Kuna, was die Schuld noch nicht begleichen würde, berichtete die Zeitung "Poslovni dnevnik" am Freitag.

Medien vermuten hinter dem Schritt der Regierung, dass die Stimmen der Pensionisten gekauft werden sollen. Die Regierung unter Führung der Kroatischen Demokratischen Gemeinschaft (HDZ) stellt sich am 4. Dezember der Wiederwahl, doch laut Meinungsumfragen wird ihr das nicht gelingen. Auch intern war die Entscheidung, die wichtigen Staatsanteile zu verkaufen, ein "Schock" für so manches HDZ-Mitglied, berichtete die Zeitung "Novi list". (APA)