Peter Drucker ist weltweit bekannt, und man kann ihn zweifellos als einen der bedeutendsten Denker des 20. Jahrhunderts bezeichnen. Im Zentrum seiner Überlegungen stand oft der Mensch - it's all about people. Peter Drucker prägte bereits vor 50 Jahren die Vorstellung, dass Arbeiter und Mitarbeiter als Assets, also als Vermögenswert eines Unternehmens, und nicht als Kostenfaktor zu betrachten sind, und schrieb bereits in den Siebzigerjahren über die sogenannten "knowledge worker", lange bevor irgendein anderer verstand, wie Wissen und Information zum neuen Kapital in der sogenannten "new economy" wurden.

Er begründete den Begriff des "gesunden Unternehmens", das nicht nur eine kurzfristige "profit-making machine" ist, sondern Mitarbeiter- und Kundenzentriert ist, langfristig Gewinn erwirtschaftet und darüber hinaus einen klaren gesellschaftlichen Auftrag hat. Unternehmen sind für Drucker nicht nur Teil der Gesellschaft, sondern die Gesellschaft stellt die Summe aller Unternehmungen dar.

Höhere gesellschaftliche Aufgabe

Den Managern kommt laut Drucker dabei eine besonders wichtige Rolle zu. Ihre Aufgabe im Business ist, nicht nur innerhalb des eigenen Bereiches zu wirken, sondern Management hat eine höhere gesellschaftliche Aufgabe. Dabei fällt der hohe Anspruch an die Eigenverantwortung eines Managers auf - vom Management des eigenen Teams bis zur Rolle als Mitgestalter der Gesellschaft. "If I put a person into a job and he or she does not perform, I have made a mistake. I have no business blaming that person!", beschrieb Drucker die Verantwortung als direkte Führungskraft.

Drucker hatte nie den leisesten Zweifel, dass es bei "Management in erster Linie um den Umgang mit Menschen geht und dass eine der wesentlichsten Aufgaben von Managern ist, Menschen zu einer gemeinsamen Leistung zu bringen, damit sie ihre Stärken einbringen können und Rahmenbedingungen zu schaffen, dass ihre Schwächen irrelevant werden." - it's all about people.

Teil des Systems

Und außerhalb der Unternehmensgrenzen? Ist der Anspruch, dass Manager gesellschaftliche Verantwortung übernehmen müssen, überhaupt realistisch? In Zeiten von Unternehmenspleiten und Bankenkrise sowie drohenden Staatspleiten - haben Manager überhaupt die Möglichkeit, all das zu gestalten, oder sind andere, etwa Politiker, dafür verantwortlich? Haben die Manager dieser Welt in Bezug auf soziale Verantwortung gar bereits versagt? Zugegeben, Druckers Anspruch, Manager als Gestalter unserer Gesellschaft zu sehen, ist erhaben. Und zugegeben, sämtliche Probleme dieser Welt kann ein einzelner Manager nicht lösen. Aber jeder einzelne Manager ist Teil des Systems und kann es als solcher mitgestalten.

Diese Sichtweise und die Demut vor der Aufgabe als Manager sind die Basis für eine erfolgreiche, sozial verantwortliche Managementkultur des 21. Jahrhunderts - it's all about people. Eines ist sicher - mein Lieblingszitat von Peter Drucker zum Abschluss: "The best way to predict the future is to shape it!" - Also packen wir's an - it's all about people! (Joachim Burger, DER STANDARD, Printausgabe, 17./18.9.2011)