Foto: EYE Film Institute Netherlands

Wien - Drei Reisende erreichen bei einem Unwetter ein Häuschen. Die vermeintliche Zuflucht entpuppt sich als "haunted house": Möbel bewegen sich selbsttätig und werfen Menschen ab, eine riesige Monsterfratze taucht am Fenster auf, ein Geist springt plötzlich durchs Zimmer.

Der kurze Film, der diese nachmaligen Horrorfilmstandards durchspielt, heißt La maison ensorcelée, "das verzauberte Haus", und ist von 1907. Das Unheimliche - und immer wieder unheimlich Komische - wird durch kreative Verwendung des neuen Mediums erreicht: Doppelbelichtungen und Bildinserts sorgen dafür, dass in die grundsätzlich statischen Aufnahmen Bewegung kommt.

Dafür verantwortlich ist der Filmpionier Segundo de Chomón. Der Spanier inszenierte seinerzeit für die Firma Pathé hunderte Filme. Die noch erhaltenen haben nichts an Reiz eingebüßt. Jetzt sind sie bei der von Wilbirg Brainin-Donnenberg kuratierten Reihe Phantome. Metamorphosen. Animismus im Film zu sehen. Im Filmcasino erweitert man damit noch an fünf weiteren Wochenenden die Ausstellung Animismus. Moderne hinter den Spiegeln der Generali Foundation.

Diesen Sonntag ist die zweite Vorstellung mit Martin Arnold einem zeitgenössischen Filmkünstler gewidmet, der gern auf filmhistorisches Material zurückgreift. Nach Spielfilmfragmenten, die in seinen insistierenden Bearbeitungen Eigenleben entwickelten, verwendet Arnold nun auch auf der Ebene des Primärmaterials Animationen. Ein brandneues Werk namens Self Control feiert seine Welturaufführung.

Bis Ende Januar kann man unter anderem noch ein Gastspiel von US-Avantgardefilmemacher Ken Jacobs und anregende Kurzfilmprogramme zu den Themen "Geister, Gesten" und "Metamorphosen" sehen. (Isabella Reicher, DER STANDARD - Printausgabe, 17./18. September 2011)